W49.10-A008-76
Umrüstlösung zur Verwendbarkeit von Ersatzkraftstoff für längeren Einsatzzeitraum
Fahrzeuge, wie beispielsweise des Typs Arocs 6x6 3346A mit Euro-6-Norm OBD Stufe D, die für einschlägige Einsätze vorgesehen sind, bei denen eine Versorgung mit Treibstoff in der erforderlichen Güte nicht bewerkstelligt werden kann, konnten bisher für eine allerdings begrenzte Einsatzdauer mit dem Ersatzkraftstoff Nato Single Fuel F-63 betrieben werden. Mit dem Schlechtkraftstoff-Paket bietet Mercedes-Benz eine Umrüstlösung an, mit der ein weitaus längerer Betrieb mit Ersatzkraftstoff ermöglicht wird. Bei Bedarf kann diese Umrüstung zu einem späteren Zeitpunkt wieder rückgängig gemacht werden.
Umrüstbare Fahrzeuge
Die Umrüstung ist vorerst nur bei der folgenden Fahrzeugbaureihe möglich: Typ 964 mit Motor 470.9. Vertriebsseitig sind diese Fahrzeuge mit dem Code JMAB (Vorbereitung Schlechtkraftstoffpaket) ausgerüstet. Im Zuge der Umrüstung erhalten die Fahrzeuge den zusätzlichen Code O5M (ET Umrüstung auf Schlechtkraftstoff).
Durchführung der Umrüstung und Rückrüstung
Die Umrüstung (Einbau Schlechtkraftstoff-Paket) und ggf. die Rückrüstung (Ausbau Schlechtkraftstoff-Paket) kann ausschließlich von zertifizierten und für diesen Vorgang autorisierten MB-LKW-Betrieben durchgeführt werden.
Kosten der Umrüstung
Die Kosten für die Umrüstung werden zwischen der jeweiligen Service-Außenorganisation und dem jeweiligen Service-Betrieb verrechnet.
Arbeitspositionen in ASRA
Für die Um- als auch die Rückrüstung sind in ASRA die nachfolgenden Arbeitspositionen hinterlegt:
G 02 7800 Fahrzeug umrüsten (Einbau Schlechtkraftstoffpaket)
G 02 7801 Fahrzeug umrüsten (Ausbau Schlechtkraftstoffpaket)
Arbeitsanleitung
Die Umrüstung ist in der unten angegebenen Arbeitsanleitung beschrieben. Die Arbeitsanleitung für die Rückrüstung befindet sich in Erstellung.
Umfang der Umrüstung
Änderung des Softwarestands bzw. Parameteränderungen in diversen Steuergeräten.
Umrüstung der Abgasanlage: z. B. Austausch der Abgasnachbehandlungseinheit gegen einen Schalldämpfer (1) ohne Komponenten zur Abgasnachbehandlung.
Umrüstung der AdBlue® Komponenten: Stilllegung der AdBlue® Einspritzung.
Umrüstung diverser Motorumfänge: Einbau einer Kondensatleitung zwischen Luftansaugrohr und Abgasrohr.
Umrüstung der Dieselkraftstoff-Dosierung: Stilllegung der Eindüsung von Dieselkraftstoff für die DPF-Regeneration.
Teile für die Umrüstung
Die für die Umrüstung notwendigen Teile sind in der angehängten Arbeitsanleitung aufgeführt und können über XENTRY Teileinformation ermittelt und bestellt werden. Zu finden sind diese unter dem Reiter "Motor" in der Konstruktionsgruppe "99 Nachträglicher Einbau".
Bescheinigung und Kennzeichnung
Sowohl bei Um- als auch bei der Rückrüstung werden das bisherige Motortypschild und das Fahrzeugtypschild geändert. Das Motorbaumuster bzw. die Motornummer werden nicht geändert. Die Datenkarte wird nach erfolgter Umrüstung um den Code O5M (ET Umrüstung auf Schlechtkraftstoff) ergänzt. Nach erfolgter Umrüstung ist eine Herstellerbescheinigung erforderlich. Diese muss ausgedruckt und dem Fahrzeug beigelegt werden.
Wenn das Fahrzeug rückgerüstet, d. h., das Schlechtkraftstoffpaket wird wieder ausgebaut, wird auch der zusätzliche Code wieder entfernt.
Erlöschen der Kfz-Zulassung
Nach der Umrüstung wird keine definierte Abgasnorm mehr erreicht. Die Kfz-Zulassung erlischt somit. Für eine Kfz-Zulassung nach erfolgtem Umbau ist der Fahrzeughalter/-betreiber verantwortlich.
Transport des Fahrzeugs nach der Umrüstung
Für den Transport des Fahrzeugs zum und vom Standort der ausführenden Service-Werkstatt ist der Auftraggeber verantwortlich. Da das Fahrzeug nach der Umrüstung keine geregelte Abgasnorm mehr erfüllt, sind beim anschließenden Transport die nationalen Regelungen zu beachten. Für den Transport auf "eigener Achse" sind evtl. Sondergenehmigungen der nationalen Behörden bzw. Überführungs-, Exportkennzeichen etc. notwendig.
Wahrnehmbare Begleiterscheinungen der Umrüstung
Reduzierte Motorleistung: Es kann möglicherweise zu einer Reduzierung der Motorleistung gegenüber dem Betrieb mit Normdiesel kommen.
Reduzierte Motorbremsleistung: Die Motorbremsleistung kann gegenüber dem Standardbauzustand abweichen.
Umrüstung der AdBlue® Komponenten: Stilllegung der AdBlue® Einspritzung.
Veränderte Außengeräusche: Das Außengeräuschverhalten kann sich verändern.
Einschränkung der Lebensdauer: Gegebenenfalls kann es zur einer Lebensdauer-Einschränkung der kraftstoffbetriebenen Zusatzheizung kommen.
Änderungen in der Wartung
Durch den Umbau ergeben sich zum einen generelle Änderungen bei der Wartung, z. B. durch den Entfall der Dieselpartikelfilter und zum anderen Änderungen, die sich auf den Einsatzzeitraum beschränken. Während den Einsatzzeiträumen in denen Ersatzkraftstoff getankt wird, ist ein erhöhter Wartungsaufwand erforderlich. Alle 200 Stunden müssen das Motoröl, der Motorölfilter und der Kraftstofffilter getauscht werden. Im Wartungssystem sind die Wartungstermine durch die Softwareänderung automatisch angepasst, so dass diese im Kombiinstrument angezeigt werden.
Im Bordcomputer müssen unter Betriebsstoffe die folgenden Daten dahingehend geändert werden, dass diese den eingefüllten bzw. überwiegend getankten entsprechen.
Einschränkungen bei der Diagnosefähigkeit
Durch den Umbau und die damit einhergehenden Änderungen des Softwarestands bzw. Parameteränderungen in verschiedenen Steuergeräten kann es zu vereinzelten Einschränkungen in der Diagnosefähigkeit über XENTRY kommen. Nach einer Rückrüstung bzw. dem Ausbau des Schlechtkraftstoffpakets ist die Diagnosefähigkeit wieder vollumfänglich gegeben.
Vorgehensweise bei der Umrüstung
1 Ermittlung der benötigten Teile über die der Arbeitsanleitung angehängten Teileliste bzw. über XENTRY Teileinformation.
2 Bestellung der Teile und Bestellung der für den Einbau Schlechtkraftstoff-Paket vorgesehenen DVD.
Durch die Bestellung der DVD wird der Prozess zur Änderung der Datenkarte in VeDoc angestoßen. Die Datenkarte wird dahingehend geändert, dass der Code O5M (ET Umrüstung auf Schlechtkraftstoff) eingetragen wird.
Erst dadurch wird die notwendige Softwareänderung mit XENTRY möglich. Der Code-Nachtrag erfolgt werktags innerhalb von maximal 24 Stunden.
Sie erhalten eine E-Mail-Information, wenn der Code-Nachtrag erfolgt ist.
3 Einbau der Umrüst-Teile.
4 Änderung des Softwarestands in diversen Steuergeräten.
5 Ausdruck der Herstellerbescheinigung und Änderung der Zulassung.
6 Inbetriebnahme des Fahrzeugs.
Lagerung der ausgebauten Teile für eine spätere Rückrüstung
Damit zu gegebenem Zeitpunkt eine Rückrüstung erfolgen kann, muss eine geeignete Lagerung der ausgebauten Teile sichergestellt werden. Alle Komponenten sind sicher vor Beschädigungen und Verschmutzungen in einer geeigneten Transportbox zu lagern. Die Transportbox ist trocken und geschützt vor Witterungseinflüssen und hoher Luftfeuchtigkeit in einer Halle zu lagern. Der Temperaturbereich sollte zwischen 5 ° und 40 °C liegen. Demontierte Komponenten oder bereits verwendete Teile des Schlechtkraftstoff-Pakets sind vor der Lagerung auf Beschädigung zu prüfen. Stark verschmutzte Teile sind mit geeigneten Maßnahmen zu reinigen.
Informationen zur Wiederinbetriebnahme der AdBlue-Komponenten nach erfolgter Rückrüstung
Beim Ein- bzw. Ausbau des Schlechtkraftstoff-Pakets sind die AdBlue-Komponenten mit klarem Wasser zu spülen. Nach einer Rückrüstung bzw. dem Ausbau des Schlechtkraftstoff-Pakets die AdBlue-Komponenten wieder in Betrieb genommen werden sollen, müssen ggfs. Teile getauscht werden, da es zu einer Verblockung einzelner Komponenten kommen kann.
Referenzierte Dokumente
- sm0010w0071a Fahrzeug umrüsten (Einbau Schlechtkraftstoff-Paket)