bb0040p013400a

Flugturbinentreibstoff als Dieselkraftstoff

Typ bb · Thema 00.40 · Version 0114 · 2011-10-21

Gültig für: TYP ALLE

Einordnung

Funktionsgruppe 0 Gesamt › 00 Gesamt-Fahrzeug › 00.40 Betriebsstoffe — Baureihe 900 (Baumuster 9**) · Baureihe 902 (Baumuster 9**) · Baureihe 904 (Baumuster 918, 919, 924, 925, 938, 943, 957) · Baureihe 906 (Baumuster 917, 918, 924, 953)

EinPAS 45 Daten/Information › 45.10 Gesamtfahrzeug › 45.10.20 Gesamtfahrzeug — Baureihe 900 (Baumuster 9**) · Baureihe 902 (Baumuster 9**) · Baureihe 904 (Baumuster 918, 919, 924, 925, 938, 943, 957) · Baureihe 906 (Baumuster 917, 918, 924, 953)

Gilt auch für Motoren/Getriebe: 139 ***, 254 ***, 256 ***, 272 ***, 276 ***, 282 ***, 457 9**, 541 9**, 542 9**, 608 ***, 700 4**, 700 420, 700 421, 700 422, 700 423, 715 3**, 715 5**, 722 6**, 722 9**, 724 ***, 724 0**, 724 033, 724 044, 724 045, 724 1**, 724 103, 724 114, 724 115, 724 120, 725 ***, 725 0**, 725 035, 725 037, 725 038, 725 085, 725 1**, 739 390, 739 391, 739 395, 739 396, 739 397, 739 398, 739 399, 740 698, 743 3**, 743 4**, 743 498, 746 971, 924 9**, 924 910, 925 9**, 926 9**

BB00.40-P-0134-00A

Flugturbinentreibstoff als Dieselkraftstoff

Blatt 134.0

TYP

ALLE

Flugturbinentreibstoffe werden sowohl im militärischen als auch im zivilen Bereich von manchen Kunden eingesetzt Gewährleistungansprüche bezüglich erzielbarer Leistung, dynamischem Verhalten, Startfähigkeit, Emissionsverhalten, Wartungsaufwand und erreichbarer Lebensdauer von Mercedes-Benz-Motoren sind jedoch an die Verwendung von genormten Dieselkraftstoffen guter Qualität, z. B. DIN EN 590, geknüpft. Sollen Mercedes-Benz Motoren mit Flugturbinentreibstoffen betrieben werden, ist daher mit Nachteilen für den Betreiber zu rechnen.

Die Nachteile, die mit Flugturbinentreibstoffen der Qualitätsstufen Jet A/A1 bzw. JP 8, JP 5, F 34, F 35, F 44, F 63 (Eigenschaften, Spezifikation: siehe Tabelle Flugturbinentreibstoffe) auftreten können, sind aus Prüfstandsversuchen und der praktischen Erfahrung mit den Motoren der BR 300 und 400 (NFZ) und den Vorkammermotoren mit Reihenpumpe bei PKW bekannt. Von den NFZ-Motoren der BR 500 und 900 liegen Prüfstandversuche vor. Neuere Motoren (PKW mit Common Rail Direkteinspritzung) können noch nicht in allen Punkten bewertet werden.

Die folgenden Ausführungen gelten daher im Wesentlichen für Motoren der älteren Technologie (BR 300 und 400 (NFZ) und den Vorkammermotoren mit Reihenpumpe bei PKW) sowie mit Abstrichen für NFZ-BR 500 und 900. Ähnliches gilt für den neuen Kraftstoff F 63, welcher F 35 durch Zugabe von Verschleißschutz-und Zündbeschleuniger-Additiven formuliert wird; inwieweit die Additive den gewünschten Effekt erbringen, können wir noch nicht abschließend beurteilen.

Ein wesentlicher Nachteil dieser Kraftstoffe für den Dieselmotor besteht in ihrer nicht definierten Zündwilligkeit (Cetanzahl), die auch Cetanzahl-Werte unter 40 annehmen kann. Dies wiederum kann zu ungünstigem Startverhalten, verbunden mit Weißrauchentwicklung sowie zur Verschlechterung der Emissionswerte führen. Zur Verbesserung der Kaltstartfähigkeit wird empfohlen, zusätzliche Starthilfen (Flammanlagen oder spezielle Heizflansche) einzusetzen.

Die verringerte Schmierfähigkeit ( zu hoher "HFRR-Wert") kann erhöhten Verschleiß in der Einspritzausrüstung nach sich ziehen; mit einer signifikant verkürzten Lebensdauer von stark belasteten Komponenten ist zu rechnen.

Der niedrigere Siedeschnitt kann eine Verminderung der Lebensdauer des Einspritzsystems infolge Kavitation an Düsen und Einspritzleitungen mit sich bringen

Aufgrund der geringeren Dichte ist mit niedrigerer Motorleistung (ca. 5%) zu rechnen.

Als Kraftstoff-Filter muss ein gegenüber Flugturbinentreibstoff beständiger Filtereinsatz verwendet werden. Die Filtereinsätze von PKW-Motoren und die der NFZ-Motoren der Baureihe 500 und 900 erfüllen diese Forderung.

Für NFZ-Motoren der BR 300 sind Filtereinsätze der Teil-Nr. 000 092 38 05 zu verwenden. Geeignete Filtereinsätze für Motoren der BR 400 sind bei den mit MB zusammenarbeitenden Lieferanten (Hengst, Knecht) auf Anfrage erhältlich.

Flugturbinentreibstoffe der Stufe Jet B, JP 4, F 40 wurden von Mercedes-Benz nicht erprobt und werden aufgrund des noch niedrigeren Siedeverlaufs und niedrigerer Dichte nicht empfohlen.

Die umseitige Tabelle enthält die am häufigsten verwendeten Qualitäten mit entsprechenden Bezeichnungen und Hauptanforderungen.

Tabelle: Die auf einer Liste stehenden Spezifikationen beschreiben etwa gleiche Treibstoffe. Sie unterscheiden sich typischerweise in drei Haupteigenschaften: Dichte, Siedeverlauf und Gefrierpunkt. Für weitergehende Informationen empfehlen wir die umfangreichen Originalnormen (ASTM D 1655 bzw. MIL-T-5624 und MIL-T-83133).

Flugturbinentreibstoffe

Zivil



Dichte



kg/m3

Gefrierpunkt



°C

Militärisch



Dichte



kg/m3

Gefrierpunkt



°C

Siedebereich
Anforderungen
s. Originalnormen

°C ca.

Jet A

775–840

max. –40

JP 5, F 44

788–845

max. –47

175–300

Jet A1

775–840

max. –47

JP 8, F 34, F 35, F 63

775–840

max. –47

130–300

Jet B

751–802

max. –50

JP 4, F 40

751–802

max. –58

50–240

Additivierung von F 34 (JP 8):

enthält: dissipative Additive, Korrosioninhibitoren, Schmierfähigkeitsverbesserer, Frostschutz.

kann enthalten: Antioxidantien, Metallschutz.

Additivierung von F 35:

enthält: dissipative Additive.

kann enthalten: Antioxidantien, Korrosioninhibitoren, Schmierfähigkeitsverbesserer, Metallschutz.

enthält nicht: Frostschutz.