gf0800d0002te

Elektrofahrzeug Funktion

Typ gf · Thema 08.00 · Version 0101 · 2020-06-10

Gültig für: Typ 910 mit Code ME0 (Elektromotor 85 kW)

Einordnung

Funktionsgruppe 1 Motor › 08 Elektroantrieb, Hybridantrieb › 08.00 Allgemeines — Baureihe 910

GF08.00-D-0002TE

Elektrofahrzeug Funktion

10.06.2020

Typ

910

mit Code ME0 (Elektromotor 85 kW)

Elektrofahrzeug Funktion

D08.00-A014-79

Elektrofahrzeug, Blockschaltbild

A1

Kombiinstrument

N73/8

Steuergerät Elektronisches Zündschloss (EZS)

A9/6

Elektrischer Kältemittelverdichter

N80

Steuergerät Mantelrohrmodul (MRM)

A68

Fahrpedalmodul

N82/2

Steuergerät Batteriemanagementsystem

A79/1

Elektrische Maschine 1

N83/3

Steuergerät DC/DC­Wandler

A79/3

Steuergerät Leistungselektronik

N83/15

Wechselstromladegerät für Hochvoltbatterie

B38/2

Regen- und Lichtsensor (mit Code JF1 (Regensensor))

N87/12

Radio (mit Code E1O (Einstiegsradio))

B94/2

Temperatursensor elektrische Maschine

N112/9

Steuergerät HERMES (mit Code JH3 (Kommunikationsmodul (LTE) für digitale Dienste))

B95

Batteriesensor

N127

Steuergerät Antriebsstrang

B183/11

Temperatursensor Hochvoltbatterie 1

N135

Lenkradelektronik

B183/12

Temperatursensor Hochvoltbatterie 2

S2/2s2

Taste Fahrprogramm

B183/13

Temperatursensor Hochvoltbatterie 3

X11/4

Diagnosekupplung

B183/14

Temperatursensor Hochvoltbatterie 4 (mit Code E4T (Hochvoltbatterie (47 kWh)))

Y16/9

Umschaltventil Kondensatvermeidung

G1

Bordnetzbatterie

Y19/19

Absperrventil Verdampfer Hochvoltbatterie-Kühlung

G1/31

Hochvoltbatterie 1

Y125/5

Umschaltventil Hochvoltbatteriekühlung

G1/32

Hochvoltbatterie 2

Y140/1

Expansionsventil

G1/33

Hochvoltbatterie 3

CAN B

Innenraum­CAN

G1/34

Hochvoltbatterie 4 (mit Code E4T (Hochvoltbatterie (47 kWh)))

CAN BAT

Batteriemanagementsystem­CAN

G10

Fahrzeugsteckdose Gleichstromladen/Wechselstromladen

CAN D

Diagnose­CAN

L6/5

Drehzahlsensor links elektrische Maschine

CAN ED

Elektroantriebs­CAN

L6/6

Drehzahlsensor rechts elektrische Maschine

CAN H

Fahrdynamik­CAN

M4/14

Lüfter Kühler

CAN HMI

Benutzerschnittstelle­CAN

M75/16

Umwälzpumpe Kühlmittel Niedertemperaturkreislauf 1

CAN L

Hybrid­CAN

M75/17

Umwälzpumpe Kühlmittel Niedertemperaturkreislauf 2

CAN LR

Lenkrad­CAN

M109

Elektrische Unterdruckpumpe

Flex E

Fahrwerk­FlexRay

N2/5

Steuergerät Supplemental Restraint System (SRS)

LIN B8

Klimatisierungs­LIN

N10

Steuergerät SAM

LIN B15

Batteriesensor­LIN

N22/2

Steuer- und Bediengerät Klimatisierungsautomatik (mit Code HH9 (Klimaanlage halbautomatisch geregelt, TEMPMATIC))

LIN B16

Regen- und Lichtsensor­LIN

N24/6

Gleichstromladeverbindungseinheit

LIN C3

Antriebsstrang­LIN

N30/4

Steuergerät ESP®

LIN E2

Sitzbelegungs­LIN

N33/16

Steuergerät Hochvolt PTC-Heizer

O

Option

N33/17

Steuergerät Batterieheizung

S

Standard

N68

Steuergerät elektrische Servolenkung (ES)

Im Blockschaltbild sind der Interlock-Kreis und das Hochvolt-Bordnetz nicht dargestellt.

Interlock-Kreis
Der Interlock-Kreis dient dem Berührungsschutz von Personen gegen versehentliches Berühren der Hochvoltkomponenten. Der Interlock ist ein vorauseilender Kontakt, der sich beim Trennen eines Hochvoltanschlusses zeitlich vor dem Hochvoltanschluss öffnet. Damit wird ein rechtzeitiges Entladen des Hochvolt-Zwischenkreises durch die Steuergeräte der Hochvoltkomponenten realisiert.
Der Interlock-Kreis dient der Erkennung offener Leitungen oder Zugangsstellen am Hochvolt-Bordnetz. Ein 12­V/88­Hz-Interlock­Signal wird hierzu durch alle abbaubaren oder zu öffnenden Bauteile des Hochvolt-Bordnetzes geschleift. Dazu befindet sich in jedem abbaubaren Hochvolt-Steckanschluss eine elektrische Brücke, die beim Abziehen des Hochvolt-Steckanschlusses den Interlock-Kreis unterbricht.

Weitere Informationen zum Interlock-Kreis und Hochvolt-Bordnetz sind in der separaten Funktionsbeschreibung "Hochvolt-Bordnetz Funktion" enthalten.

Funktionsbeschreibung Elektrofahrzeug allgemein

Die Funktionsbeschreibung Elektrofahrzeug umfasst die Steuerung und Überwachung der elektrischen Maschine 1 (A79/1) und des Hochvolt-Bordnetzes. Das Master-Steuergerät ist dabei das Steuergerät Antriebsstrang (N127), welches das Energiemanagement beinhaltet und somit alle Energieflüsse und Drehmomente im Elektrofahrzeug koordiniert.

Das Elektrofahrzeug wird ausschließlich von einer elektrischen Maschine angetrieben. Die elektrische Energie dafür wird von 3 parallel geschalteten Lithium-Ionen-Hochvoltbatterien bereitgestellt, die zuvor über das Wechselstromladegerät für Hochvoltbatterie (N83/15) während des stationären Ladens aufgeladen wurden.

Die Hochvoltbatterien besitzen eine maximale Kapazität von 41,4 kWh. Zur Optimierung der Langlebigkeit der Leistung des Batterieblocks stehen davon für den Fahrbetrieb 35,2 kWh zur Verfügung. Das Elektrofahrzeug kann sowohl an einer Netzsteckdose als auch an einer öffentlichen Ladestation oder einer Wallbox geladen werden. Beim Laden an einer Netzsteckdose muss der Ladestrom ggf. begrenzt werden, um das lokale Stromnetz nicht zu überlasten.

Weitere Informationen zum Laden der Hochvoltbatterien sind in der separaten Funktionsbeschreibung "Stationäres Laden Funktion" enthalten.

Im Detail umfasst das Dokument folgende Informationen:

Elektroantrieb

Hochvolt-Bordnetz

Energiemanagement

Fahrprogramme "C", "E", "E+"

Geschwindigkeitsbegrenzung

Abwesenheitserkennung

Abschleppen und Rückwärtsfahrt

Elektroantrieb

Der Elektroantrieb besteht aus dem elektrischen Antriebsstrang, zu dem die elektrische Maschine 1, das Getriebe sowie das Steuergerät Leistungselektronik gehören.

Weitere Informationen sind in der separaten Funktionsbeschreibung "Elektroantrieb Funktion" und "Elektromotor Bauteilbeschreibung" enthalten.

Hochvolt-Bordnetz

Das System Hochvolt-Bordnetz beschreibt sowohl das Laden der Hochvoltbatterien als auch die Überwachung, Kühlung und Vernetzung der Hochvoltkomponenten.

Weitere Informationen sind in den separaten Funktionsbeschreibungen "Stationäres Laden Funktion" und "Kühlung Hochvolt-Bordnetz Funktion" enthalten.

Energiemanagement

Das Energiemanagement Hochvolt-Bordnetz verwaltet die Bereitstellung (Versorgung) und den Verbrauch (Haushalt) von elektrischer Energie.

Weitere Informationen sind in der separaten Funktionsbeschreibung "Hochvolt-Bordnetz Funktion" enthalten.

Elektrofahrzeug Funktion

Auswahl Fahrprogramm

S2/2s2

Taste Fahrprogramm

D08.00-A017-76

Fahrprogramme "C", "E", "E+"

Es stehen 3 verschiedene Fahrprogramme zur Verfügung. Beim Start ist das Basis-Fahrprogramm "E" (Economy) aktiv.

Die beiden Programme "C" (Comfort) und "E+" (Economy Plus) können über die Taste Fahrprogramm (S2/2s2) in der Instrumententafel angewählt werden.

Im Multifunktionsdisplay des Kombiinstruments wird das ausgewählte Fahrprogramm unten rechts angezeigt.

Symbol

Bezeichnung

Eigenschaften

C

Comfort

Maximal 85 kW, maximal 300 Nm, direktes Ansprechverhalten, dynamische Beschleunigung möglich, volle Heiz- und Klimatisierungsleistung zulasten der Reichweite, besonders bei tiefen Temperaturen < 0 °C

E

Economy

Maximal 85 kW, maximal 300 Nm, ausgeglichenes Ansprechverhalten, moderate Heizleistung bei tiefen Temperaturen und geringe Reduzierung der Klimatisierungsleistung bei höheren Temperaturen zu Gunsten der Reichweite

E+

Economy Plus

Maximal 70 kW, maximal 270 Nm, verzögertes Ansprechverhalten, minimale Heiz- und Klimatisierungsleistung, Sicherstellung maximaler Reichweite

Die Fahrprogramme haben unterschiedliche Eigenschaften in der Fahrleistung, im Ansprechverhalten des Fahrpedals sowie bei der Heiz- und Klimatisierungsleistung. Diese Eigenschaften zusammen betrachtet, können zu unterschiedlichen Reichweiten des Fahrzeugs führen.

Durch das Fahrprogramm "E+" kann die Reichweite optimiert werden. Dafür wird die maximale Leistung der elektrischen Maschine 1 auf 70 kW und 270 Nm gedrosselt. Die Heiz- und Klimatisierungskomponenten für die Fahrerkabine werden in Abhängigkeit zur Außen- und Innenraumtemperatur energiebewusst gesteuert, um eine bestmögliche Reichweite zu erzielen. Aufgrund der reduzierten Heizleistung sollte bewusst eine niedrige Gebläsestufe gewählt werden. Das Ansprechverhalten des Fahrpedals wird verzögert, sodass ein starkes Beschleunigen verhindert wird.

Für alle drei Fahrprogramme ist eine Defrost-Funktion für die Fensterglasscheiben sichergestellt. Die einzelnen Fahrprogramme haben weitere folgende Eigenschaften:

Fahrprogramm "C" ("Comfort")

Die gesamte verfügbare Leistung kann über das Fahrpedalmodul abgerufen werden.

Die Dosierbarkeit im unteren Geschwindigkeitsbereich ist verbessert.

Fahrprogramm "E" ("Economy")

Außer bei Volllast fährt das Fahrzeug vorwärts sanfter an.

Reduzierte Leistung auf Fahrpedalmodul erhöht die Dosierbarkeit. Dadurch wird eine gleichmäßige und energieoptimierte Fahrweise unterstützt.

Die Räder drehen beim Beschleunigen nicht so leicht durch.

Volle Leistung nur bei Verwendung des Kick-downs.

Fahrprogramm "E+" ("Economy Plus")

Reduziertes Drehmoment, Geschwindigkeitsreduzierung und stark reduzierte Leistung. Dadurch wird eine besonders effiziente und gleichmäßige Fahrweise unterstützt.

Außer bei Volllast fährt das Fahrzeug vorwärts sanfter an.

Die Räder drehen beim Beschleunigen nicht so leicht durch.

Besonders effizienter Schubbetrieb.

Volle Leistung nur bei Verwendung des Kick-downs.

Die Leistung der Klimaanlage und Heizung wird reduziert.

Wahlweise ist ab Werk das Fahrprogramm "Comfort" deaktiviert (mit Code E1P (Fahrprogramm Comfort deaktiviert)). Hierbei wird mit Komforteinschränkung in der Heiz- und Klimatisierungsleistung eine optimale Reichweite des Fahrzeugs sichergestellt. Bei der Auswahl "C" über die Taste Fahrprogramm wird im Kombiinstrument auf die dauerhafte Deaktivierung hingewiesen.

Geschwindigkeitsbegrenzung

Der eSprinter erhält serienmäßig eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 80 km/h. Optional stehen, passend zum Einsatzzweck, die Geschwindigkeitsbegrenzungen von 100 km/h und 120 km/h zur Verfügung.

Ein Maximaltempo von 80 km/h erfüllt im Stadtverkehr und in Ballungszentren alle Anforderungen, schont gleichzeitig die Energiereserven und vergrößert die Reichweite. Muss es schneller gehen, sind Geschwindigkeiten bis zu 120 km/h möglich.

Wenn das Fahrzeug auf eine maximale Geschwindigkeit von 120 km/h begrenzt ist, kann es z. B. bergab auf der Autobahn durch das Eigengewicht zu einer Überschreitung der frei gegebenen maximalen Geschwindigkeit kommen.

Zur Schonung des elektrischen Antriebsstrangs erfolgt im Multifunktionsdisplay des Kombiinstruments ein Hinweis, "Höchstgeschwindigkeit, Geschwindigkeit verringern" und zusätzlich ein Warnton. Bei dieser Meldung muss das Fahrzeug aktiv abgebremst werden.

Abwesenheitserkennung

Die Abwesenheitserkennung ist bei der E­Mobilität ein wichtiges Sicherheitsfeature. Aufgrund des sehr ruhigen Fahrzeugs im Stand, kann es vorkommen, dass der Fahrer ungewollt das Fahrzeug verlässt, obwohl das Fahrzeug noch fahrbereit ist.

Grundsätzlich wird auf ein fahrbereites Fahrzeug durch die Anzeige "READY" im Multifunktionsdisplay des Kombiinstruments hingewiesen. Über das Sicherheitssystem werden das Gurtschloss und die Fahrertür kontrolliert. Sobald der Fahrer das Gurtschloss oder die Fahrertür öffnet, ertönt ein Warnton und es erscheint ein Hinweis im Multifunktionsdisplay. Falls beim Öffnen der Fahrertür die Wählposition "P" im Getriebe noch nicht eingestellt ist, wird diese automatisch eingestellt.

Abschleppen und Rückwärtsfahrt

Das Fahrzeug darf nicht abgeschleppt werden, wenn sich der Schlüssel im Zündschloss nicht drehen lässt.
Die Lenkradsperre ist dann eingerastet und das Fahrzeug nicht mehr lenkbar. Es besteht Unfallgefahr!

Mit dem Elektrofahrzeug darf kein anderes Fahrzeug abgeschleppt werden.
Ansonsten könnte der Elektroantrieb oder eine Hochvoltkomponente beschädigt werden.

Beim Abschleppen mit einem Abschleppseil oder einer Abschleppstange muss die Zündung stets eingeschaltet sein.
Das Elektrofahrzeug muss auf einem Transporter oder Anhänger transportiert werden, wenn das Antriebssystem gestört oder defekt ist oder die Energieversorgung oder das Bordnetz gestört sind.
In diesem Fall fehlt die Servounterstützung für die Lenkung und die Bremse. Der Fahrer muss dann erheblich mehr Kraft beim Lenken und Bremsen einsetzen.

Beim Abschleppen sind die gesetzlichen Bestimmungen in den einzelnen Ländern zu beachten.

Beim Abschleppen mit beiden Achsen am Boden muss vorher der Motor-Start-Stopp-Knopf (S2/2) 2-mal betätigt werden, ohne dabei die Bremse zu treten.

Die Bordnetzbatterie (G1) muss angeklemmt und aufgeladen sein. Sonst lässt sich das Getriebe nicht in Stellung "N" bringen. Ansonsten muss das Elektrofahrzeug auf einem Transporter oder Anhänger transportiert werden.

Vor dem Abschleppen muss die automatische Türverriegelung ausgeschaltet sein, sonst besteht beim Schieben oder Abschleppen des Fahrzeugs die Gefahr des Aussperrens.

Das Abschleppen ist nur in Fahrtrichtung nach vorne zulässig. Rückwärts abschleppen ist wegen Beeinträchtigungen bei der Ölversorgung nicht zulässig. Die Rückwärtsfahrt ist bis 23 km/h für maximal 3 min zulässig. Darüber hinaus ist wegen der fehlenden Schmierung ein Ausfall des elektrischen Antriebsstrangs möglich.

Das Fahrzeug darf maximal 50 km weit abgeschleppt werden. Dabei darf eine Schleppgeschwindigkeit von 50 km/h nicht überschritten werden. Bei einer Schleppstrecke über 50 km muss das gesamte Fahrzeug angehoben und transportiert werden.

Ein Abschleppen des Fahrzeugs mit angehobener Hinterachse ist nicht zulässig!

Das Fahrzeug darf in folgenden Fällen auch nicht mit der Antriebsachse am Boden abgeschleppt werden:

Wenn sich das Antriebssystem nicht einschalten lässt.

Wenn bei eingeschaltetem Antriebssystem die Anzeige für das Abschleppverbot im Multifunktionsdisplay des Kombiinstruments erscheint.

Wenn das Motorkühlsystem beschädigt oder undicht ist.

Ansonsten kann das Antriebssystem beschädigt werden.

Wenn sich die Neigung des Fahrzeugs ändert, wird bei eingeschaltetem Abschleppschutz ein optischer und akustischer Alarm ausgelöst.
Wenn das Fahrzeug z. B. einseitig angehoben wird, kann dies der Fall sein. Aus diesem Grund sollte der Abschleppschutz deaktiviert werden.

Elektroantrieb Funktion

GF08.00-D-0001TE

Hochvolt-Bordnetz Funktion

GF47.70-D-0001TE

Kühlung Hochvolt-Bordnetz Funktion

GF08.50-D-0001TE

Rekuperation Funktion

GF08.10-D-0001TE

Drehmomentkoordination Funktion

GF08.10-D-0002TE

Stationäres Laden Funktion

GF47.70-D-0005TE

Unterdruckversorgung Funktion

GF42.22-D-1004TE

Übersicht Systembauteile Elektrofahrzeug

GF08.00-D-9999TE

Referenzierte Dokumente