gf0830p2002rfh

Fahrbetrieb Funktion

Typ gf · Thema 08.30 · Version 0105 · 2018-04-13

Gültig für: Motor 274.920 im Typ 205.047/147/247, 253.954 Motor 274.920 im Typ 205.053/253 Motor 274.920 im Typ 253.354 Motor 651.921 im Typ 205.012/212 Motor 654.920 im Typ 205.013/213

Einordnung

Funktionsgruppe 1 Motor › 08 Elektroantrieb, Hybridantrieb › 08.30 Hybridantriebssystem — Baureihe 205 (Baumuster 012, 013, 047, 053, 147, 212, 213, 247, 253) · Baureihe 253 (Baumuster 354, 954) · Baureihe 651 (Baumuster 921) · Baureihe 654 (Baumuster 920)

Gilt auch für Motoren/Getriebe: 274 920

GF08.30-P-2002RFH

Fahrbetrieb Funktion

13.04.2018

Motor

274.920 im Typ 205.047/147/247, 253.954

Motor

274.920 im Typ 205.053/253

Motor

274.920 im Typ 253.354

Motor

651.921 im Typ 205.012/212

Motor

654.920 im Typ 205.013/213

Fahrbetrieb

Das Fahrzeug fährt abhängig von der Leistungsanforderung, von dem Ladezustand der Hochvoltbatterie (A100g1) und der gewählten Betriebsart (Typ 205.047/147/247, Typ 253.354/954) rein elektrisch. Bei entsprechend hoher Leistungsanforderung wird der Verbrennungsmotor mittels eines eigens für Hybrid­Antriebe mit direkt einspritzenden Ottomotoren entwickelten Verfahrens gestartet und dann durch eine fahrzustandsabhängige Ansteuerung der Nasskupplung (NAK) schnell und komfortabel zugeschaltet. Das Mercedes­Benz Startverfahren nutzt hierbei eine Kombination aus einer geeigneten Ansteuerung des Starters und dem so genannten Direktstart von direkt einspritzenden Ottomotoren, bei dem durch gezielte Einspritzungen und Zündungen der Start optimiert wird.

Dies und das gleichzeitige Zusteuern der Nasskupplung mit entsprechender zusätzlicher Beschleunigungswirkung auf den startenden Verbrennungsmotor ermöglichen dem Hybrid­Fahrzeug einen gegenüber konventionellen Startverfahren äußerst schnell ablaufenden Start. Dieses optimierte Startverfahren stellt eine schnelle Anbindung des Antriebs aus dem Elektrobetrieb sicher.

Der verschiedenen Fahrzustände während des Fahrbetriebs werden unterschieden in:

Hybridbetrieb

Elektrobetrieb

Rekuperation

Boost­Modus

Hybridbetrieb

Im Hybridbetrieb dient der Verbrennungsmotor als Hauptantriebsquelle. Die Elektrische Maschine (A79/1) wird im generatorischen Betrieb zur Versorgung der bordeigenen Energieverbraucher wie der Klimaanlage oder zum Entladen bzw. Nachladen der Hochvoltbatterie genutzt. Erst bei starker Beschleunigung unterstützt die Elektrische Maschine den Verbrennungsmotor im so genannten Boost­Modus und sorgt damit für maximale Leistung und Drehmoment auf dem Niveau eines 8­Zylinder­Motors.

Abhängig von der Leistungsanforderung des Antriebs und der Bordnetzverbraucher sowie vom Ladezustand der Hochvoltbatterie wird der Verbrennungsmotor jedoch abgestellt, um wiederum zum Elektrobetrieb zurückzukehren.

Elektrobetrieb

Wann immer das Fahrprogramm bzw. die Betriebsart den Elektrobetrieb zulässt, der Ladezustand der Hochvoltbatterie hoch genug ist, die Drehmomentanforderung des Fahrers rein elektrisch erfüllt werden kann und keine Diagnose oder kein Systemfehler den Elektrobetrieb verhindern, wird dieser Betriebszustand eingenommen. Dabei wird die Nasskupplung geöffnet und der Verbrennungsmotor vom Steuergerät ME abgeschaltet, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind.

Rekuperation

Bei den Hybrid­Fahrzeugen wurde das Premium ESP® System so modifiziert, dass beim rekuperativen Bremssystem im fehlerfreien Betrieb die hydraulische Verbindung zwischen Hauptbremszylinder und Hinterachsen­Bremskreis über ein im ESP® System integriertes Trennventil gesperrt wird. Das heißt, die Hinterachse kann entweder über die Elektrische Maschine oder die Hydraulikeinheit gebremst werden.

Beim rekuperativen Bremsen wird ein Teil oder bei geringem Bremsen das gesamte Bremsmoment von der Elektrischen Maschine generatorisch erzeugt. Mit der dabei erzeugten elektrischen Energie wird die Hochvoltbatterie geladen.

Boost­Modus

Im Boost­Modus unterstützt die Elektrische Maschine den Verbrennungsmotor, um schnellstmöglich das angeforderte Solldrehmoment zu erreichen oder um das Antriebsmoment bei maximal erreichtem Drehmoment des Verbrennungsmotors zu verstärken.

Dauer und Intensität des Boost­Modus sind hierbei abhängig vom Ladezustand der Hochvoltbatterie und von der Stellung des Fahrpedals. Beim Boost­Modus während des Anfahrens erfolgt ein Drehzahlangleich zwischen Verbrennungsmotor und Elektrischer Maschine über die entsprechende Ansteuerung der Nasskupplung.

Betriebsart und Fahrprogramme (Typ 205.047/147/247, Typ 253.954/354)

Um das Fahrzeug nach dem Bedarf des Fahrers und des Fahrprofils in optimaler Weise zu nutzen, stehen dem Fahrer drei Fahrprogramme und vier Betriebsarten zur Verfügung, welche er manuell auswählen kann.

Über den Schalter AGILITY SELECT (N72/4s1) (Typ 205 bis Modell­J. 2016, außer Typ 253) oder Schalter DYNAMIC SELECT (N72/4s11) (Typ 205 ab Modell­J. 2016, Typ 253) können per Tastendruck folgende Fahrprogramme gewählt werden:

Comfort

Sport

Sport Plus

Individual

ECO

Der Schalter AGILITY SELECT (Typ 205 bis Modell­J. 2016, außer Typ 253) bzw. Schalter DYNAMIC SELECT (Typ 205 ab Modell­J. 2016, Typ 253) befindet sich auf dem Unteren Bedienfeld links (N72/4). Sein Status wird von der Audio/COMAND Bedieneinheit (A40/9) über den UBF­LIN (LIN A3) eingelesen und über den CAN­Verbund zum Kombiinstrument (A1) und zum Steuergerät Antriebsstrang (N127) weitergeleitet. Das Steuergerät Antriebsstrang stellt das Fahrprogramm ein und das Kombiinstrument zeigt das eingestellte Fahrprogramm an.

Comfort

Fahren im Hybridbetrieb mit Schub auch im Elektrobetrieb

Sport

Sportliches Fahren, der Verbrennungsmotor bleibt immer eingeschaltet.

Sport Plus

Besonders sportliches Fahren, der Verbrennungsmotor bleibt immer eingeschaltet.

Individual

Im Fahrprogramm Individual können die Eigenschaften der Fahrzeugsysteme vom Fahrer selbst eingestellt werden.

ECO

Fahren im Hybridbetrieb mit streckenbasierter Betriebsstrategie und verlängertem Schubbetrieb

Segelmodus

Im Fahrprogramm ECO wird das Schubmoment während des Elektrobetriebs auf ein Minimum reduziert, was einen maximalen Segelmodus ermöglicht. Dadurch kann das Fahrzeug beim Lösen des Fahrpedals eine weitere Wegstrecke rollend zurücklegen.

Starkes Bremsen nach einem längeren Segelmodus oder ein zu früh beginnender Segelmodus mit anschließendem erneuten Unterstützen durch den Verbrennungsmotor wirken sich nachteilig aus. Aus diesem Grund wurde ein haptisches Fahrpedal für den ECO Assistenten verbaut.

Unter Verwendung der im Fahrzeug verbauten Radarsensorik werden der Abstand und die Geschwindigkeit zum vorausfahrenden Fahrzeug erkannt. In dem Augenblick, in dem das Lösen des Fahrpedals zu einem verbrauchsoptimalen Angleichen der Geschwindigkeit an ein vorausfahrendes Fahrzeug führt, greift der ECO Assistent ein. Durch einen spürbaren Doppelimpuls im haptischen Fahrpedal erhält der Fahrer eine Empfehlung zum Lösen des Fahrpedals. Sobald das Pedal gelöst wird, wird bei verfügbarem Elektrobetrieb der Verbrennungsmotor abgeschaltet, über die Nasskupplung vom Antriebsstrang abgekoppelt und das Fahrzeug wechselt in den Segelmodus.

Verringert das vorausfahrende Fahrzeug seine Geschwindigkeit oder wird aufgrund anderer Einflüsse der Abstand kleiner, setzt die radarbasierte Schubregelung ein. Durch eine Anpassung des Schubmoments der Elektrischen Maschine wird der Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug der Fahrsituation entsprechend angeglichen.

Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick darüber, welches Fahrprogramm in der jeweiligen Betriebsart wählbar ist und wie die Antriebsleistung erzeugt wird.

Betriebsart

Antriebsleistung

Comfort

Sport

Sport Plus

Individual

ECO

HYBRID

Verbrennungsmotor + Elektrische Maschine

Wählbar

Wählbar

Wählbar

Wählbar

Wählbar

E­MODE

Elektrische Maschine

Wählbar

Nicht wählbar, Verbrennungsmotor läuft.

Nicht wählbar, Verbrennungsmotor läuft.

Wählbar

Wählbar

E­SAVE

Verbrennungsmotor

Wählbar

Nicht wählbar, Verbrennungsmotor läuft.

Nicht wählbar, Verbrennungsmotor läuft.

Wählbar

Wählbar

CHARGE

Verbrennungsmotor

Wählbar

Nicht wählbar, Verbrennungsmotor läuft.

Nicht wählbar, Verbrennungsmotor läuft.

Wählbar

Wählbar

Über die Taste Auswahl Betriebsart (N72/5s16) (Typ 205 bis Modell­J. 2016, außer Typ 253) oder Taste Auswahl Betriebsart (N72/4s6) (Typ 205 ab Modell­J. 2016, Typ 253) können per Tastendruck folgende vier Betriebsarten gewählt werden:

HYBRID

E­MODE

E­SAVE

CHARGE

Während sich durch die Fahrprogramme im Wesentlichen das Fahrverhalten einstellen lässt, bieten die Betriebsarten die Möglichkeit, auf die Nutzung der elektrischen Energie und damit auf den Ladezustand der Hochvoltbatterie unmittelbar Einfluss zu nehmen.

Die Taste Auswahl Betriebsart befindet sich auf dem Unteren Bedienfeld rechts (N72/5) (Typ 205 bis Modell­J. 2016, außer Typ 253) oder Unteren Bedienfeld links (N72/4) (Typ 205 ab Modell­J. 2016, Typ 253). Ihr Status wird von der Audio/COMAND Bedieneinheit eingelesen und über den CAN­Verbund an das Kombiinstrument und Steuergerät Antriebsstrang weitergeleitet. Das Steuergerät Antriebsstrang stellt die Betriebsart ein und das Kombiinstrument zeigt die eingestellte Betriebsart an.

HYBRID

Die Betriebsart HYBRID stellt die Standard­Betriebsart dar. Sie bietet in den Fahrprogrammen den Hybridbetrieb mit ladezustandsabhängigem Fahranteil Elektrobetrieb und maximalem Zustartkomfort durch Vorhalt einer entsprechenden Leistungsreserve für die Elektrische Maschine.

Im Fahrprogramm „Sport“ und "Sport Plus" wird auf maximale Agilität gesetzt und neben den Änderungen in der Fahrstufenwahl des Getriebes und der Auslegung der Fahrpedalkennlinie auf jeglichen Elektrobetrieb verzichtet sowie die Boost­Leistung erhöht.

Streckenbasierte Betriebsstrategie

Die verschiedenen manuell wählbaren Betriebsarten werden vom Fahrer genutzt, da er seine Fahrstrecke kennt und weiß, wo er elektrisch fahren möchte und wann die Hochvoltbatterie entladen sein soll.

Die streckenbasierte Betriebsstrategie nimmt diese zwei Wünsche auf und verknüpft sie mit dem Komfort, dass dem Fahrer die Entscheidung für die streckenoptimale Abfolge der Betriebsart unter Berücksichtigung von Kartendaten abgenommen wird.

Die Wahl der Betriebsart erfolgt dabei nicht rein ereignisorientiert, sondern auch unter folgenden Berücksichtigungen:

Der Einsatz elektrischer Energie wirkt sich in Abhängigkeit der Strecke unterschiedlich verbrauchsmindernd aus.

Der Einsatz elektrischer Energie für den Elektrobetrieb in der Stadt stellt einen hohen emotionalen Mehrwert für den Fahrer dar.

Außerstädtisch kann die streckenbasierte Betriebsstrategie bedarfsweise weniger elektrische Energie einsetzen und den Ladezustand der Hochvoltbatterie zusätzlich durch Lastpunktverschiebung gezielt auf die verbleibenden Streckenabschnitte einstellen.

Folgende Grundlagen sind für die energetische Bewertung der Route und somit für die Ladesteuerung und Leistungsfreigabe notwendig:

COMAND Online

Bordnetzverbrauch

Fahrbetrieb Funktion

Ansteuerung des Hybridantriebssystems

1

Anhebung des Ladezustands der Hochvoltbatterie gegenüber manuellem Energiemanagement

2

Reiner Elektrobetrieb in der Stadt

3

Automatischer Wechsel des Energiemanagements

A

Fahrt über Land

B

Fahrt in der Stadt

C

Fahrt über Land

D

Ankunft am Ziel

SOC

Ladezustand der Hochvoltbatterie

P08.30-2100-74

E­MODE

Die Betriebsart E­MODE steht für maximalen Elektrobetrieb. Um dem Fahrer ein bequemes Verbleiben im Elektrobetrieb zu ermöglichen, wird das haptische Fahrpedal mit Druckpunkt aktiviert. Hierbei wird ein spürbarer Druckpunkt kurz vor der Anforderung eines Starts des Verbrennungsmotors über das Fahrpedal ausgegeben. Der Start wird erst nach dem Überdrücken des Druckpunkts ausgeführt.

E­SAVE

In der Betriebsart E­SAVE wird der Ladezustand der Hochvoltbatterie, der bei Aktivierung der Betriebsart gespeichert wurde, gehalten. Ein Teil des Elektrobetriebs wird weiterhin zugelassen. Ein Abstellen des Motors in Stillstand oder im Schubbetrieb, zur Vermeidung des Leerlaufverbrauchs, wird dadurch weiterhin ermöglicht. Es wird lediglich so viel Energie aus der Hochvoltbatterie entnommen, dass der Ladezustand nicht unter den gesetzten Wert fällt.

CHARGE

In der Betriebsart CHARGE wird die Hochvoltbatterie im Fahrbetrieb durch Auflastung des Verbrennungsmotors moderat aufgeladen. Um einen kontinuierlichen Ladebetrieb sicherzustellen, wird hier auf jeglichen Elektrobetrieb und auf den Boost­Modus verzichtet. Sobald die Hochvoltbatterie vollständig aufgeladen ist, wird automatisch in der Betriebsart E­SAVE gewechselt.

Der Fahrbetrieb des Hybridantriebssystems und die dabei aktiven Teilfunktionen sind in den folgenden Dokumenten beschrieben:

Schubbetrieb Funktion

Fahrzustände Hybridantriebssystem Funktion

Automatischer Motorstopp Funktion

Automatischer Motorstart Funktion

Drehmomentkoordination Hybridantriebssystem Funktion

Überwachung Hybridantriebssystem Funktion

Rekuperatives Bremsen Funktion

Schubbetrieb Funktion

GF08.30-P-2004RFH

Fahrzustände Hybridantriebssystem Funktion

GF08.30-P-2005RFH

Automatischer Motorstopp Funktion

GF08.30-P-3001RFH

Automatischer Motorstart Funktion

GF08.30-P-3002RFH

Drehmomentkoordination Hybridantriebssystem Funktion

GF08.30-P-4001RFH

Überwachung Hybridantriebssystem Funktion

GF08.30-P-5001RFH

Rekuperatives Bremsen Funktion

GF42.22-P-1010RFH

Übersicht Systembauteile Hybridantriebssystem

GF08.30-P-9999RFH

Referenzierte Dokumente