Maßnahmen vor Arbeiten am Hochvolt-Bordnetz
Bei allen Service-, Wartungs-, Diagnose- und Reparaturarbeiten darf das Hochvolt-Bordnetz des Fahrzeugs nicht geladen werden. Das Ladekabel muss fahrzeugseitig ausgesteckt sein.
Ausnahme: Das Laden ist erlaubt, wenn dies zur Diagnose im Rahmen des Prüfablaufs notwendig ist.
Bei vorprogrammierter bzw. ferngesteuerter Vorklimatisierung (PreCon) besteht ein Verletzungsrisiko durch das selbstständige Anlaufen der Lüfter, Gebläse, Pumpen im Wasserkreislauf bzw. das Aktivieren des Hochvolt PTC-Heizers und des Kältemittelkompressors. Um die Remote-Funktionen PreCon und Bordnetzstützung während Reparaturen zu unterbinden, müssen diese im Kombiinstrument abgeschaltet bzw. die Motorhaube/Wartungsklappe oder der Kofferraumdeckel geöffnet werden.
Vor Arbeiten am Hochvolt-Bordnetz muss die Spannungsfreiheit hergestellt werden. Die Sicherstellung des spannungsfreien Zustands des Hochvolt-Bordnetzes für die Dauer der auszuführenden Arbeiten muss gewährleistet sein.
Dies muss unter Beachtung und Einhaltung der 3 Sicherheitsregeln geschehen:
Freischalten (spannungsfrei)
Gegen Wiedereinschalten sichern
Spannungsfreiheit prüfen und sicherstellen
Die Freischaltung und Inbetriebnahme muss dokumentiert und sichtbar am Fahrzeug angebracht werden.
Maßnahmen während Arbeiten am Hochvolt-Bordnetz
Das Hochvolt-Bordnetz auf äußere Beschädigungen, wie z. B. Tierbiss, Scheuerstellen, Unfallschäden und Defekte prüfen. Defekte Hochvoltkomponenten bzw. Leitungen sind immer zu erneuern. Eine Reparatur/Veränderung an den Hochvoltkomponenten oder an den Leitungen des Hochvolt-Bordnetzes ist nicht zulässig.
Kennzeichnung
Alle Komponenten des Hochvolt-Bordnetzes sind mit einem gelben Warnaufkleber gekennzeichnet, auf dem das Piktogramm für Hochvolt abgebildet ist.
Sämtliche Hochvolt führenden elektrischen Leitungen sind durch eine Signalfarbe (orange) gekennzeichnet.
Qualifizierungsmaßnahmen
Sämtliche Tätigkeiten an Fahrzeugen mit Hochvolt-Bordnetz und die Bewertung der Transportsicherheit von Lithium-Ionen Batterie (12 V- /48 V- und Hochvoltbatterien) sind ausschließlich von entsprechend qualifizierten Mitarbeitern durchzuführen.
Arbeitsbezogene Sicherheitsunterweisung durch den Betrieb
Für die Durchführung "einfacher" Tätigkeiten müssen die Mitarbeiter im Rahmen einer arbeitsbezogenen Sicherheitseinweisung im Unternehmen auf Besonderheiten, Gefährdungen, Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln im Zusammenhang mit einem Hochvolt-Bordnetz unterwiesen sein.
Folgende einfache Tätigkeiten dürfen bereits nach einer erfolgreichen Sicherheitseinweisung durchgeführt werden:
Bedienen (Fahren, Tanken/Laden, Reinigen)
Reifen (Zustand prüfen, wechseln)
Kühlmittel, Waschwasser, Öl prüfen/nachfüllen
Wischerblätter wechseln/Spritzdüse einstellen
12VBatterie laden; 12-V-Sicherungen prüfen/wechseln
Diagnose (Istwert, Kurztest) auslesen
Zubehör (ohne WIS-Beschreibung) nachrüsten
Fahrzeugannahme inkl. Prüfen auf offene Kundendienstmaßnahmen
Erläuterung der fahrzeugspezifischen Funktionen (bei Verkauf/Wagenauslieferung)
Hochvolt-Sensibilisierung (Voraussetzung für das Hochvolt-Basistraining)
Alle Reparaturen, Wartungs- und Diagnosearbeiten von Hochvoltkomponenten an freigeschalteten Fahrzeugen mit einem Hochvolt-Bordnetz
Aus- und Einbau von Hochvoltkomponenten an freigeschalteten Fahrzeugen mit einem Hochvolt-Bordnetz
Hochvolt-Basistraining T0001F (Voraussetzung für Hochvolt Produktqualifizierung)
Theoretische Grundlagen zu Hochvoltkomponenten
Hochvolt-Sicherheitsmaßnahmen
Hochvolt-Bordnetz
Erste Hilfe
Sicheres Arbeiten an Hochvoltfahrzeugen
Hochvolt Produktqualifizierung außer Typ 453.091/391/491 (Voraussetzung für manuelles Freischalten und Hochvolt-Sonderprüfungen)
Durchführen und Dokumentieren des diagnosebasierten Freischaltens des Hochvolt-Bordnetzes
Aufbau und Funktion der Hochvoltkomponenten
Bedien- und Anzeigekonzept
Transportfähigkeitsbewertung der Lithium-Ionen Batterien (12 V- /48 V- und Hochvoltbatterien)
Hochvolt Produktqualifizierung Typ 453.091/391/491 (Voraussetzung für manuelles Freischalten und Hochvolt-Sonderprüfungen)
Durchführen und Dokumentieren der Freischaltung mit persönlicher Schutzausrüstung
Erneute Inbetriebnahme des Hochvolt-Bordnetzes
Aufbau und Funktion der Hochvoltkomponenten
Bedien- und Anzeigekonzept
Transportfähigkeitsbewertung der Hochvoltbatterie
Hochvolt-Sonderprüfungen, manuelles Freischalten, Isolationsüberwachung (Voraussetzung für Fehlerdiagnose Hochvolt-Bordnetz)
Manuelles Freischalten mit persönlicher Schutzausrüstung (PSA)
Prüfung der Isolation des Hochvolt-Bordnetzes durchführen und dokumentieren
Spannungsfestigkeitsprüfung durchführen und dokumentieren
Schutzleiter- und Isolationswiderstandsprüfung durchführen und dokumentieren
Fehlerdiagnose Hochvolt-Bordnetz
Fehlerdiagnose am Hochvolt-Bordnetz
Diagnose Hochvoltbatterien
Funktion Bordnetzstützung
In der folgenden Übersicht sind die jeweiligen Arbeiten und Schulungsanforderungen dargestellt.
Länderspezifische Ergänzungen, Abweichungen, Zusatzanforderungen oder gesetzliche Anforderungen sind zu beachten.
| Qualifizierung |
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Keine Hochvolt-Voraussetzung notwendig | Keine Hochvolt-Voraussetzung notwendig | Voraussetzung: Hochvoltsensibilisierung | Voraussetzung: Hochvolt-Basistraining | Voraussetzung: Hochvolt-Basistraining | Voraussetzung: Hochvolt-Produktschulung | Voraussetzung: Hochvolt-Schulung manuelles Freischalten | |
"Einfache" Tätigkeit außerhalb des Hochvolt-Bordnetzes: | ja | ja | ja | ja | ja | ja | ja |
Allgemeine Reparaturen an Fahrzeugen mit Hochvolt-Bordnetz: | nein | ja | ja | ja | ja | ja | ja |
Diagnosebasiertes Freischalten des Fahrzeugs: * (außer Typ 453.09/391/491) | nein | nein | nein | ja | nein | ja * | ja |
Freischalten des Fahrzeugs: *** (nur Typ 453.091/391/491) | nein | nein | nein | nein | ja | nein | nein |
Manuelles Freischalten des Fahrzeugs mit persönlicher Schutzausrüstung: | nein | nein | nein | nein | nein | ja ** | ja ** |
* Diagnosebasierte HochvoltFreischaltung ist erlaubt, wenn die Produktschulung für spezifisches Fahrzeug absolviert wurde. Ein Versuch der diagnosebasierten Freischaltung muss immer vor manueller Freischaltung erfolgen (außer bei Typ 453.091/391/491).
** Manuelle Freischaltung nach WIS-Vorgabe für alle Typen (außer Typ 453.091/391/491 und Fahrzeuge im Metropolenkonzept) erlaubt.
*** Nur für Typ 453.091/391/491 mit persönlicher Schutzausrüstung.
Maßnahmen vor der Arbeit an Gasantriebssystemen
Bei Hinweisen auf Undichtigkeiten und Problemen am Gasantriebssystem darf das Fahrzeug nur gesichert für längere Zeit im Freien abgestellt werden. Des Weiteren ist es mit einem gut sichtbarem Schild oder Ähnlichem zu kennzeichnen, um versehentliches Einfahren auszuschließen. Es ist auf einen ausreichenden Sicherheitsabstand zu angrenzenden Gebäuden und umliegenden Fahrzeugen zu achten (Radius 10 m).
Vor Beginn der Arbeiten muss dafür gesorgt werden, dass alle Zündquellen beseitigt sind und die Persönliche Schutzausrüstung (PSA) getragen wird. Sicherstellen, dass eine ausreichende Belüftung der Umgebung von mindestens dreifachem Luftwechsel pro Stunde, in drei Metern Entfernung vom Absperrventil des Fahrzeugs vorhanden ist. Die Gasabsperrventile an den Gasbehältern sind vor Beginn der Reparaturarbeiten zu schließen und die Gasleitungen sind zu entleeren.
Maßnahmen beim Entleeren des Kraftstoffbehälters (Wasserstoff H2)
Das Entleeren des Wasserstoff-Fahrzeugs darf nur in einem speziell dafür gekennzeichneten Bereich unter freiem Himmel erfolgen. Bei Gewittern ist diese Tätigkeit grundsätzlich untersagt. Der Abblassbereich ist im Radius von mindestens 5 m um den Ablasskamin abzusperren. Es muss an den Zugängen deutlich erkennbar vor einer explosionsfähigen Atmosphäre gewarnt werden. Der Abstand zu Gebäuden, Fenstern etc. muss so weit entfernt sein, dass der aufsteigende Wasserstoff sich nicht unter Überdachungen, Vorsprüngen, Lüftungstotwinkeln usw. ansammeln kann. Innerhalb des Abblasebereiches dürfen sich während des Entleervorgangs keine Fahrzeuge befinden und keine anderen Arbeiten durchgeführt werden. Das Fahrzeug und der Ablasskamin müssen entsprechend geerdet sein. Der Mitarbeiter muss sich vor dem Entleeren des Wasserstoff-Fahrzeugs an geeigneter Stelle elektrostatisch entladen. Während des Entleervorgangs oder ggf. unkontrolliertem Gasaustritt dürfen keine elektrischen Betriebsmittel benutzt werden (Akkuschrauber, elektrische Radheber etc.). Die vorgeschriebene Ausführung des Ablasskamins können Sie der Mercedes-Benz/Smart spezifischen Reparatur-, Wartung- und Diagnosedokumentation entnehmen.
Maßnahmen beim Entleeren des Kraftstoffbehälters (Erdgas)
Auf das Entleeren der Gasanlage durch Abblasen sollte möglichst verzichtet werden, da es sich bei Erdgas um ein Klimagas handelt. Ist das Abblasen unumgänglich, sind auf jeden Fall die Vorgaben des Fahrzeug- oder Anlagenherstellers zu beachten. Das Abblasen von Gasanlagen darf grundsätzlich nur im Freien erfolgen. Für diese Tätigkeit wird eine gekennzeichnete Fläche von ca. 1010 m benötigt. In diesem Bereich dürfen sich während diesem Vorgang keine anderen Fahrzeuge befinden und keine anderen Arbeiten durchgeführt werden. Der Abblasbereich sollte vorzugsweise mit einer Blitzschutzanlage (Blitzableiter) versehen sein. Bei Gewittern ist diese Tätigkeit grundsätzlich untersagt. Im Abblasbereich sollte eine Möglichkeit zur Erdung des Fahrzeugs (z. B. eine in die Erde geschlagene Stahlstange) vorhanden sein. Wird der Abblasbereich ganz oder teilweise überdacht, muss sichergestellt sein, dass das ausströmende Gas frei nach oben abströmen kann.
Kennzeichnung
Hinweisschilder für Wasserstoff (H2) sind im Motorraum, Tankklappe und auf den Kraftstoffbehältern angebracht. Alle Komponenten des Hochvolt-Bordnetzes sind mit einem gelben Warnaufkleber gekennzeichnet, auf dem das Piktogramm für Hochvolt abgebildet ist.
Fahrzeuge mit Erdgasantrieb sind an gut sichbaren Stellen mit einem Hinweis auf die Erdgasanlage zu versehen.
Arbeitsplatzbezogene Sicherheitsunterweisung durch den Betrieb
Für die Durchführung "einfacher" Tätigkeiten müssen die Mitarbeiter im Rahmen einer arbeitsbezogenen Sicherheitseinweisung im Unternehmen auf Besonderheiten, Gefährdungen, Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln im Zusammenhang mit Gasantriebssystemen unterwiesen sein.
Qualifizierungsmaßnahmen
Sämtliche Tätigkeiten an Fahrzeugen mit Gasantriebssystemen und die Bewertung der Transportsicherheit von Lithium-Ionen Batterie sind ausschließlich von entsprechend qualifizierten Mitarbeitern durchzuführen. Es sind immer die länderspezifischen Vorschriften und Gesetze zu beachten.
Qualifizierung 1 | Qualifizierung 2 | |
Tätigkeit (Wasserstoffsystem) | Hochvoltsensibilisierung | Produktqualifizierung für F-CELL Stützpunkte (5 Tage) |
Einfache Tätigkeit außerhalb des Hochvolt- und Gasantriebssystem: | Ja | Ja |
Tätigkeiten innerhalb des Hochvolt- und Gasantriebssystem: | Nein | Ja |
Referenzierte Dokumente
- wf5400p000000a Persönliche Schutzausrüstung für Arbeiten am Hochvolt-Bordnetz