gf9140p9900a

Präventives Insassenschutzsystem Grundfunktion

Typ gf · Thema 91.40 · Version 0105 · 2020-09-08

Gültig für: Typ 118, 177, 247 mit Code 299 (PRE-SAFE) Typ 167 Typ 213, 238, 257, 290 ab Modell-J. 2021 Typ 223 Typ 293

Einordnung

Funktionsgruppe 3 Aufbau › 91 Sitze, Liegen, Rückhaltesystem › 91.40 Sicherheitsgurte, Gurtstraffer — Baureihe 118 · Baureihe 167 · Baureihe 177 · Baureihe 213 · Baureihe 223 · Baureihe 238 · Baureihe 247 · Baureihe 257 · Baureihe 290 · Baureihe 293

EinPAS 27 Passive Sicherheit/Rückhaltesysteme › 27.15 Insassenschutzsystem › 27.15.1 Grundinformation — Baureihe 118 · Baureihe 167 · Baureihe 177 · Baureihe 213 · Baureihe 223 · Baureihe 238 · Baureihe 247 · Baureihe 257 · Baureihe 290 · Baureihe 293

GF91.40-P-9900A

Präventives Insassenschutzsystem Grundfunktion

08.09.2020

Typ

118, 177, 247

mit Code 299 (PRE-SAFE)

Typ

167

Typ

213, 238, 257, 290

ab Modell-J. 2021

Typ

223

Typ

293

Übersicht

Dieses Dokument enthält folgende Informationen:

Allgemeines

Funktionsvoraussetzung

Funktionsauslöser

Präventive Insassenschutzmaßnahmen

Reversible Gurtstraffung

Sitzeinstellung (Fahrzeuge mit Sitzeinstellung mit Memory-Funktion)

Schiebedach schließen (Fahrzeuge mit Schiebedach oder Panoramaschiebedach).

Seitenfenster bis auf einen Spalt schließen.

Gehörschutz

Maßnahmen bei Erkennung eines thermalen Ereignisses (Hybrid-Fahrzeuge und Fahrzeuge mit Elektroantrieb oder mit 48-V-Technologie)

Allgemeines

Der Ansatz des präventiven Insassenschutzsystems ist es, drohende Unfallgefahren bereits in ihrer Entstehung zu erkennen. Hierzu werden verschiedene sensorische Möglichkeiten genutzt, nicht zuletzt auch durch die Vernetzung mit Fahrerassistenzsystemen. In Gefahrensituationen werden jeweils situationsangepasst verschiedene Stellglieder angesteuert, die noch vor dem eigentlichen Aufprall ihre Schutzwirkung entfalten.

Bleibt der Unfall aus, lassen sich die voll reversiblen Systeme in ihre Ausgangspositionen zurückstellen und sind dann sofort wieder einsatzbereit.

Ausstattungsabhängig kann das präventive Insassenschutzsystem um folgende Funktionen erweitert sein:

Kollisionswarnsystem Heck (Fahrzeuge mit Fahrassistenz-Paket)

Präventives Insassenschutzsystem Seitenaufprall (Fahrzeuge mit PRE-SAFE® Impuls Seite)

Maßnahmen bei Erkennung eines thermalen Ereignisses der Hochvoltbatterie (Hybrid-Fahrzeuge oder Elektrofahrzeuge)

Maßnahmen bei Erkennung eines thermalen Ereignisses der 48-V-Batterie (Fahrzeuge mit 48-V-Technologie)

Funktionsvoraussetzung PRE-SAFE®

Klemme 15 ein

Funktionsauslöser

Das präventive Insassenschutzsystem definiert den Fahrzustand anhand folgender Parameter:

Fahrzeugverzögerung

Raddrehzahl

Eigendynamik des Fahrzeugs (Giermoment, Querbeschleunigung)

Lenkwinkel

Thermales Ereignis der Hochvoltbatterie (Hybrid-Fahrzeuge oder Elektrofahrzeuge)

Als unfallkritisch werden folgende Situationen eingestuft:

Notbremsung: schnelle Bremspedalbetätigung (Schreckreaktion).

Vollbremsung: Der Verzögerungswunsch des Fahrers ist deutlich größer als die physikalisch mögliche Fahrzeugverzögerung (z. B. bei Aquaplaning, Eis oder Schnee). Starke Eingriffe des Antiblockiersystems (ABS).

Starkes Übersteuern: Ausbrechen des Heckbereichs, verbunden mit starken Stabilisierungseingriffen des ESP®.

Starkes Untersteuern: Fahrzeug schiebt über die Vorderräder. Starke Stabilisierungseingriffe des ESP®.

Seitenwindstabilisierung: Abdriften von der Fahrspur, verbunden mit starken Stabilisierungseingriffen des ESP®.

Kritische Lenkbewegung: Schnelle Lenkbewegung bei hoher Geschwindigkeit (Schreckreaktion des Fahrers verbunden mit Überforderung).

Folgeunfall: Eintreten eines weiteren Crashs nach einem Unfall.

Fahrzeuge mit radargestützter Verkehrsraumüberwachung:

Starke Bremskraftverstärkung durch BAS PLUS: Kollisionsgefahr im Längs- und Querverkehr.

Autonome Bremsung durch die PRE-SAFE® Bremse: Kollisionsgefahr im Längsverkehr.

Autonome Kurskorrektur durch die Totwinkelüberwachung: kurskorrigierender Bremseingriff bei Kollisionsgefahr mit seitlich fahrenden Fahrzeugen.

Kollisionsobjekterkennung Front/Heck/Seite: Erkennung eines unmittelbar bevorstehenden Aufpralls.

Die Aktivierungsschwelle für die präventiven Insassenschutzmaßnahmen wird abhängig von folgenden Einflussgrößen entsprechend verändert:

ESP® Modus

Fahrprogramm (Fahrzeuge mit Automatikgetriebe)

Präventive Insassenschutzmaßnahmen

Das präventive Insassenschutzsystem aktiviert in kritischen Fahrsituationen folgende Maßnahmen zum Insassenschutz:

Reversible Gurtstraffung

Sitzeinstellung (Fahrzeuge mit Sitzeinstellung mit Memory-Funktion)

Beifahrersitz positionieren.

Sitzkontur Multikontursitz einstellen (Fahrzeuge mit Multikontursitzen).

Schiebedach schließen (Fahrzeuge mit Schiebedach oder Panoramaschiebedach).

Seitenfenster bis auf einen Spalt schließen.

Gehörschutz

Alle Maßnahmen werden deaktiviert, sobald die vorherrschende Situation nicht mehr als kritisch bewertet wird.

Reversible Gurtstraffung

Die reversible Gurtstraffung reduziert die vorhandene Gurtlose durch das Straffen der Sicherheitsgurte vorn. Um die Schutzwirkung der konventionellen Rückhaltemittel zu optimieren, werden der Fahrer und der Beifahrer besser in der Sitzanlage fixiert. Abhängig von der Situation wird der Sicherheitsgurt unterschiedlich stark bzw. schnell gestrafft.

Bereits nach dem Anlegen des Sicherheitsgurts reduziert die Gurtanpassung die vorhandene Gurtlose durch das Anziehen der Sicherheitsgurte. Die Funktion ist für die Vordersitze verfügbar. Sie kann über die Bedienebene Fahrzeugeinstellungen ein- und ausgeschaltet werden.

Sitzeinstellung (Fahrzeuge mit Sitzeinstellung mit Memory-Funktion)

Die Wirkung der konventionellen Rückhaltemittel ist besser, wenn der Fahrzeuginsasse in eine entsprechende Sitzposition gebracht wird. Aus diesem Grund fordert das präventive Insassenschutzsystem das Einstellen des Beifahrersitzes und bei Multikontursitzen (Fahrzeuge mit Multikontursitzen) das Einstellen der Sitzkontur an. Eine ggf. aktive Einstellung wird abgebrochen.

Folgende Einstellungen werden vorgenommen:

Der Beifahrersitz wird in eine sicherheitstechnisch günstige Position eingestellt. Abhängig von der aktuellen Sitzposition werden folgende Einstellungen durchgeführt:

Sitzlehnenneigung

Sitzhöhe

Sitzlängsrichtung

Sitzneigung

Die Seiteneinlagen der Multikontursitze (Fahrzeuge mit Multikontursitzen) werden aufgeblasen. Der Fahrzeuginsasse wird dadurch zentral im Sitz fixiert.

Die Luftkissen der Lordosenstützen (Fahrzeuge mit Multikontursitzen) werden entlüftet. Der Fahrzeuginsasse sitzt dadurch tiefer im Sitz.

Die Einstellungen werden mit dem Erreichen der optimalen Sitzposition beendet. Nach dem Beenden oder Abbrechen der Maßnahme verbleibt der Beifahrersitz in der eingenommenen Position.

Schiebedach schließen (Fahrzeuge mit Schiebedach oder Panoramaschiebedach)

Das Schiebedach wird durch das präventive Insassenschutzsystem komplett geschlossen, wenn es zuvor in Hubrichtung geöffnet war. Wenn das Schiebedach zuvor in Schieberichtung geöffnet war, wird es bis auf einen Restspalt geschlossen. Dadurch wird verhindert, dass beispielsweise bei einem Überrollvorgang Gegenstände in den Fahrzeuginnenraum eindringen oder Körperteile aus dem Fahrzeug herausragen können. Nach dem Beenden oder Abbrechen der Maßnahme verbleibt das Schiebedach in der eingenommenen Position.

Die Seitenfenster bis auf einen Spalt schließen

Die Seitenfenster werden bis auf einen Spalt von ca. 50 mm geschlossen. Dadurch können bei einem Unfallereignis keine Gegenstände in den Fahrzeuginnenraum eindringen oder Körperteile aus dem Fahrzeug herausragen. Zudem können die durch das Auslösen der Rückhaltemittel entstandenen Rauchpartikel schnell abziehen. Ein ggf. aktiver Fenstertieflauf (automatisch) oder eine manuelle Einstellung wird abgebrochen. Beim Schließen der Seitenfenster ist die automatische Reversierfunktion aktiv. Bei Bedarf findet ein Reversiervorgang statt. Nach dem Beenden oder Abbrechen der Maßnahme verbleiben die Seitenfenster in der eingenommenen Position.

Gehörschutz

Bei einem Unfall können Geräusche mit hohen Schalldruckpegeln erzeugt werden, die dem Gehör schaden. Durch die Ausgabe eines Rauschsignals über die Lautsprecheranlage kurz vor einem möglichen Unfall, wird das Gehör auf das zu erwartende Unfallgeräusch vorbereitet. Das Rauschsignal kann einen natürlichen Reflex bei den Fahrzeuginsassen erzeugen, der das Trommelfell vor hohen Schalldruckpegeln schützt. Die Belastung des Gehörs kann dadurch reduziert werden.

Funktionsvoraussetzung Maßnahmen bei Erkennung eines thermalen Ereignisses (Hybrid-Fahrzeuge und Fahrzeuge mit Elektroantrieb oder mit 48-V-Technologie)

Gesamtes CAN-Bus-System nicht im Ruhemodus (z. B. beim aktiven Ladevorgang eines stehenden Fahrzeugs).

Maßnahmen bei Erkennung eines thermalen Ereignisses (Hybrid-Fahrzeuge und Fahrzeuge mit Elektroantrieb oder mit 48-V-Technologie)

Gesamtes CAN-Bus-System nicht im Ruhemodus (z. B. beim aktiven Ladevorgang eines stehenden Fahrzeugs; Teilsystem Batterie im Wachzustand).

Bei einem Anstieg des Zelleninnendrucks bzw. einem abfallendem Isolationswert oder einer Überhitzung der Hochvoltbatterie oder der 48-V-Batterie, werden vom System entsprechende Maßnahmen eingeleitet. Die Maßnahmen sind in 3 Warnstufen eingeteilt. Bei Warnstufe 1 werden folgende Maßnahmen eingeleitet:

Wecken des CAN-Bus-Systems im Ladebetrieb

Abbruch eines aktiven Ladevorgangs

Versenden einer Pushnachricht (bei Fahrzeugen mit Kommunikationsmodul)

Bei Erreichen der Warnstufe 2 oder beim Ausfall des Signals, nachdem zuvor das Signal der Warnstufe 1 empfangen wurde, werden weitere Funktionen eingeleitet:

Warnmeldung über das Kombiinstrument

Notentriegelung

Automatisches Schließen der Seitenfenster und des Schiebedachs oder des Panoramaschiebedachs (außer USA und Kanada)

Ladekabelentriegelung (bei Ladevorgang)

Klimatisierung; Umschaltung auf Umluftbetrieb

Automatischer Notruf (Fahrzeuge mit Kommunikationsmodul RAMSES oder HERMES)

Abbruch autonomer Fahrfunktionen oder Aufforderung zur Fahrerübernahme (ab Warnstufe 3 während des Fahrbetriebs)

Wird nach dem Empfangen einer Warnstufe 1 bzw. 2 wieder die Warnstufe 0 empfangen, dann werden die entsprechenden Maßnahmen wieder ausgesetzt.

Funktionsschemata

Funktionsschema präventives Insassenschutzsystem auslösen

Typ 223

PE91.40-P-2500-97C

Typ 213, 238, 257, 290 ab Modell-J. 2021

PE91.40-P-2500-97D

Typ 118, 177, 247 mit Code 299 (PRE-SAFE)

PE91.40-P-2500-97A

Typ 167, 293

PE91.40-P-2500-97B

Teilsysteme

Kollisionswarnsystem Heck Grundfunktion

Typ 118, 177, 247
mit Code 23P (Fahr-Paket)
mit Code 299 (PRE-SAFE)
Typ 167
mit Code 23P (Fahr-Paket)
Typ 167
mit Code P20 (Fahrassistent-Paket Plus)
Typ 213, 238, 257, 290
ab Modell-J. 2021
mit Code 23P (Fahr-Paket)
Typ 213, 238, 257, 290
ab Modell-J. 2021
mit Code P20 (Fahrassistent-Paket Plus)
Typ 223
mit Code 23P (Fahr-Paket)
Typ 293
mit Code 23P (Fahr-Paket)

GF91.40-P-1002A

Präventives Insassenschutzsystem Seitenaufprall Grundfunktion

Typ 167
mit Code 292 (PRE-SAFE® Impuls Seite)
Typ 213, 238, 257, 290
ab Modell-J. 2021
mit Code 292 (PRE-SAFE® Impuls Seite)
Typ 223
mit Code 292 (PRE-SAFE® Impuls Seite)

GF91.40-P-1005A

Weitere Grundfunktionen

Verkehrsraumüberwachung Grundfunktion

GF54.71-P-1000A

Fensterheber ansteuern Grundfunktion

GF67.39-P-9900A

Schiebedach öffnen/schließen Grundfunktion

Typ 118, 177, 247
mit Code 299 (PRE-SAFE)
mit Code 413 (Panorama-Schiebedach/-Glasdach)
Typ 167
mit Code 413 (Panorama-Schiebedach/-Glasdach)
Typ 167
mit Code 414 (Schiebedach elektrisch in Glasausführung)
Typ 213, 238, 257, 290
ab Modell-J. 2021
mit Code 414 (Schiebedach elektrisch in Glasausführung)
Typ 213, 238
ab Modell-J. 2021
mit Code 413 (Panorama-Schiebedach/-Glasdach)
Typ 223
mit Code 413 (Panorama-Schiebedach/-Glasdach)
Typ 293
mit Code 413 (Panorama-Schiebedach/-Glasdach)
Typ 293
mit Code 414 (Schiebedach elektrisch in Glasausführung)

GF77.20-P-9901A

Lautsprecheranlage Grundfunktion

GF82.62-P-9900A

Elektrische Sitzeinstellung Vordersitz Grundfunktion

Typ 118, 177, 247, 293
mit Code 241 (Fahrersitz links elektrisch verstellbar mit Memory)
mit Code 299 (PRE-SAFE)
Typ 118, 177, 247, 293
mit Code 242 (Fahrersitz rechts elektrisch verstellbar m. Memory)
mit Code 299 (PRE-SAFE)
Typ 118, 177, 247, 293
mit Code 275 (Memory-Paket (Fahrersitz, Lenksäule und Spiegel))
mit Code 299 (PRE-SAFE)
Typ 167
Typ 213, 238, 257, 290
ab Modell-J. 2021
mit Code 275 (Memory-Paket (Fahrersitz, Lenksäule und Spiegel))
Typ 223
Typ 293
mit Code 221 (Fahrersitz links elektrisch verstellbar)
Typ 293
mit Code 222 (Fahrersitz rechts elektrisch verstellbar)

GF91.10-P-9900A

Multikontursitz Grundfunktion

Typ 118, 177, 247
mit Code 299 (PRE-SAFE)
mit Code 409 (Multikontursitz vorn links und rechts)
Typ 167
mit Code 399 (Multikontursitz vorn mit Massagefunktion)
mit Code 406 (Multikontursitz im Fond)
Typ 213, 238, 257, 290
ab Modell-J. 2021
mit Code 432 (Fahrdynamischer Sitz links und rechts)
Typ 223
mit Code 406 (Multikontursitz im Fond)
Typ 223
mit Code 432 (Fahrdynamischer Sitz links und rechts)
Typ 293
mit Code 399 (Multikontursitz vorn mit Massagefunktion)
mit Code 409 (Multikontursitz vorn links und rechts)

GF91.25-P-9900A

Steuergeräte

Steuergerät Elektronisches Stabilitäts-Programm Grundfunktion

GF42.45-P-9890A

Reversibler Gurtstraffer Grundfunktion

GF91.40-P-9890A

Referenzierte Dokumente