Funktionsvoraussetzungen Getriebesteuerung allgemein
Funktionsprüfung des Steuergeräts Vollintegrierte Getriebesteuerung (Y3/8n4) durchgeführt
Getriebesteuerung allgemein
Die Funktion des Steuergeräts Vollintegrierte Getriebesteuerung besteht in der Auswertung verschiedener (für die Getriebefunktion relevanter) Eingangssignale. Davon abhängig werden die elektromechanischen Hydraulikventile (Elektromagnete) angesteuert, die ihrerseits die Getriebeübersetzung des Automatikgetriebes (Gangauswahl) und den Arbeitsdruck bestimmen.
Die Elektromagnete sind auf der Steuereinheit Vollintegrierte Getriebesteuerung (Y3/8) positioniert. Diese sorgt für die hydraulische Funktionalität.
Die Freigabe vom Fahrberechtigungssystem erfolgt vom Steuergerät elektronisches Zündschloss (N73) (Senderschlüssel (A8/1) gesteckt) über Fahrwerk CAN 1 (CAN E1), Steuergerät CDI (N3/9) bzw. Steuergerät ME (N3/10) und Antriebs-CAN (CAN C) zum Steuergerät Vollintegrierte Getriebesteuerung.
Das Steuergerät Vollintegrierte Getriebesteuerung steuert folgende Bauteile elektronisch an:
Elektrische Ölpumpe (M42)
Hubmagnet Parksperre (Y3/8l1)
Elektromagnet Schmierdruck (Y3/8y12)
Elektromagnet Kupplungssteuerung K81 (Y3/8y13)
Elektromagnet Kupplungssteuerung K38 (Y3/8y14)
Elektromagnet Kupplungssteuerung K27 (Y3/8y15)
Elektromagnet Lamellenbremssteuerung B08 (Y3/8y16)
Elektromagnet Lamellenbremssteuerung B05 (Y3/8y17)
Elektromagnet Lamellenbremssteuerung B06 (Y3/8y18)
Elektromagnet Arbeitsdruck (Y3/8y19)
Elektromagnet Wandlerüberbrückungskupplung (Y3/8y20)
Folgende Signale werden von dem Steuergerät Vollintegrierte Getriebesteuerung verarbeitet:
Drucksensor (Y3/8b5)
Drehzahlsensor Turbinenrad (Y3/8n1)
Drehzahlsensor interne Getriebedrehzahl (Y3/8n2)
Drehzahlsensor Abtriebswelle (Y3/8n3)
Getriebeöltemperatur-Sensor (Y3/8s2)
Positionssensor Parksperre (Y3/8s4)
Steuergerät elektronisches Zündschloss
Getriebesteuerung Funktionsablauf
Der Funktionsablauf ist in folgenden Punkten beschrieben:
Funktionsablauf Grundschaltprogramm
Funktionsablauf elektronische und hydraulische Getriebesteuerung
Funktionsablauf Kick-down
Funktionsablauf Notlauf
Funktionsablauf Grundschaltprogramm
Das Grundschaltprogramm beinhaltet Hoch- und Rückschaltkennlinien aller 9 Gänge, ausgelegt für:
Leeres Fahrzeug
Warmer Betriebszustand
Ebene Fahrbahn
Meereshöhe
Das Grundschaltprogramm kann durch den Fahrer über den Fahrprogrammregler (N72/4s1) (ohne Code 430 (On & Offroad Paket)) oder den Fahrprogrammregler Offroad-Paket N72/3s1 (bei Code 430 (On & Offroad Paket)) beeinflusst werden, der sich im Bereich der Mittelkonsole im Bedienfeld Fahrprogramme (N72/4) (ohne Code 430 (On & Offroad Paket)) oder im Steuergerät Offroad-Bedienfeld (N72/3) (bei Code 430 (On & Offroad Paket)) befindet. Der Tastenstatus wird über Steuergerät SAM (N10), Innenraum-CAN (CAN B), Steuergerät elektronisches Zündschloss, Steuergerät CDI bzw. Steuergerät ME und über Antriebs-CAN zum Steuergerät Vollintegrierte Getriebesteuerung gesendet.
Bei Fahrzeugen mit Code 550 (Anhängevorrichtung) sendet das Steuergerät Anhängererkennung (N28/1) den Status Anhängererkennung an das Steuergerät Vollintegrierte Getriebesteuerung über Innenraum-CAN, Steuergerät elektronisches Zündschloss, Fahrwerk-CAN 1, Steuergerät CDI bzw. Steuergerät ME und Antriebs-CAN.
Die Anpassung von Schaltprogrammen erfolgt durch die Verschiebung der Schaltkennlinien, abhängig von:
Beladungszustand des Fahrzeugs
Änderung des Fahrwiderstands
Fahrpedalbewegung
Das Steuergerät Vollintegrierte Getriebesteuerung überwacht und schaltet in Abhängigkeit von:
Fahrzeuggeschwindigkeit
Gewählter Fahrstufe am DIRECT SELECT-Wählhebel (S16/13)
Fahrpedalstellung
Fahrprogrammwahl
Gewähltem Gang, bei Fahrprogramm Manuell "M"
Signalen auf dem Antriebs-CAN
Das Steuergerät Elektronisches Stabilitäts-Programm (N30/4) errechnet aus den Signalen der folgenden Sensoren die Fahrzeuggeschwindigkeit:
Drehzahlsensor Vorderachse links (L6/1)
Drehzahlsensor Vorderachse rechts (L6/2)
Drehzahlsensor Hinterachse links (L6/3)
Drehzahlsensor Hinterachse rechts (L6/4)
Die errechnete Fahrzeuggeschwindigkeit wird über Fahrwerk CAN 1, Steuergerät CDI bzw. Steuergerät ME und Antriebs-CAN an das Steuergerät Vollintegrierte Getriebesteuerung gesendet.
Meldungen und Anzeigen im Kombiinstrument (A1)
Informationen zum gewählten Gang, zur Fahrstufe oder zum Fahrprogramm werden vom Steuergerät Vollintegrierte Getriebesteuerung auf den Antriebs-CAN abgelegt. Das Steuergerät CDI bzw. Steuergerät ME empfängt und leitet diese über den Fahrwerk-CAN 1, elektronisches Zündschloss, Fahrwerk-CAN 2 (CAN E2) zum Kombiinstrument weiter. Dieses steuert daraufhin die entsprechende Anzeige über die folgenden Signale an:
Ganganzeige (A1p12)
Ganganzeige, Ansteuerung
Multifunktions-Display (A1p13)
Multifunktions-Display, Ansteuerung
Fahrprogrammanzeige, Ansteuerung
Langsame Gaswegnahme:
Ungewollte Rückschaltungen im oberen Geschwindigkeitsbereich werden verhindert.
Schnelle Gaswegnahme:
Das Hochschalten in den nächsten Gang wird verhindert und erst bei niedrigerer Fahrzeugbeschleunigung wieder zugelassen.
Funktionsablauf elektronische und hydraulische Getriebesteuerung
Während die elektronische Getriebesteuerung die Gangwahl und die Anpassung der Drücke an das zu übertragende Moment übernimmt, erfolgt die Leistungsansteuerung des Automatikgetriebes über hydraulische Elemente in der Steuereinheit Vollintegrierte Getriebesteuerung. Die Ölversorgung der hydraulischen Elemente (hydrodynamischer Drehmomentwandler, Schaltglieder, hydraulische Getriebesteuerung) erfolgt über eine mit der Antriebswelle verbundene Ölpumpe (Primärpumpe) und/oder über die elektrische Zusatzölpumpe. Die Getriebesteuerung ermöglicht eine präzise Anpassung des Drucks an die jeweiligen Betriebszustände und an die Motorleistung während der Schaltphase, was zu einer deutlichen Steigerung der Schaltqualität führt. Das Erreichen der Drehzahlgrenze in den einzelnen Gängen ist bei Vollgas und Kick-down möglich. Der Schaltbereich kann in den Vorwärtsgängen während des Fahrbetriebs verändert werden. Die Getriebesteuerung verhindert durch eine Rückschaltsicherung eine unzulässig hohe Motordrehzahl.
Ferner bietet die Getriebesteuerung den Vorteil einer flexiblen Anpassung an verschiedene Fahrzeugausführungen.
Die elektrische Zusatzölpumpe sichert beim abgestellten Verbrennungsmotor die Ölversorgung der Hydraulikanlage. Sie unterstützt zusätzlich die Primärpumpe im unteren Drehzahlbereich des Verbrennungsmotors. Das Steuergerät CDI bzw. Steuergerät ME sendet die Anforderung "Elektrische Zusatzölpumpe EIN" an das Steuergerät Vollintegrierte Getriebesteuerung. Die Ansteuerung der elektrischen Zusatzölpumpe erfolgt direkt über das Steuergerät Vollintegrierte Getriebesteuerung. Das Steuergerät Vollintegrierte Getriebesteuerung sendet den Status der elektrischen Zusatzölpumpe an das Steuergerät CDI bzw. Steuergerät ME zurück.
Funktionsablauf Kick-down
Dem Wunsch des Fahrers nach maximaler Beschleunigung wird mit der Funktion Kick-down entsprochen.
Ab einem Pedalweg > 90 % des Fahrpedalsensors (B37) wird die Funktion Kick-down aktiviert.
Das Signal "Kick-down" wird vom Steuergerät CDI bzw. Steuergerät ME übermittelt, welches den Status des Motormanagements über den Antriebs-CAN an das Steuergerät Vollintegrierte Getriebesteuerung sendet.
Das Steuergerät Vollintegrierte Getriebesteuerung steuert aufgrund dieser Informationen die Elektromagnete so an, dass die Hoch- und Rückschaltungen bei erhöhter Motordrehzahl erfolgen, um maximale Fahrleistungen zu erzielen.
Die Zwangsrückschaltung in den nächstniedrigeren Gang wird durchgeführt bei zu hohen Getriebetemperaturen und geringer Fahrzeuggeschwindigkeit.
Funktionsablauf Notlauf
Im Falle eines Defekts an einem der Elektromagnete wird der entsprechende Gang gesperrt. Dieser Gang wird nicht mehr geschaltet. Über den DIRECT SELECT-Wählhebel kann der Fahrer die gewünschte Fahrstufe "P", "R", "N" oder "D" einlegen. Er kann zwischen Vor- und Rückwärtsfahrt wählen, die Parksperre einlegen oder in Neutralstellung den Kraftfluss zwischen Drehmomentwandler und Automatikgetriebe unterbrechen.
Im Fehlerspeicher werden die Fehler abgelegt. Diese können mit XENTRY Diagnostics ausgelesen werden. Den Diagnosestatus Getriebesteuerung erhält die Diagnosekupplung (X11/4) vom Steuergerät Vollintegrierte Getriebesteuerung über Antriebs-CAN, Steuergerät CDI bzw. Steuergerät ME, Fahrwerk-CAN 1, Steuergerät elektronisches Zündschloss und Diagnose-CAN (CAN D).
Kurzzeit-M-Programm
Das Kurzzeit-M-Programm ist ein temporäres Programm, welches sich beim Betätigen der Lenkradschalttasten aktiviert. Das Betätigen in Richtung Plus (+) bewirkt eine Hochschaltung, das Betätigen in Richtung Minus (-) eine Rückschaltung, sofern diese zulässig ist. Im anderen Fall wird der aktuelle Gang gehalten. Nach einem vorgegebenen Zeitfenster deaktiviert sich diese Funktion wieder automatisch. Die aktivierte Zeit kann verlängert werden durch das Unterschreiten einer Mindestgeschwindigkeit (z. B. Anhalten), bei Erkennung einer Querbeschleunigung oder wenn sich das Fahrzeug im Schubbetrieb befindet. Ist keines der genannten Kriterien mehr aktiv, bleibt das Kurzzeit-M-Programm noch eine vorgeschriebene Restzeit aktiv. Nach Ablauf dieser Restzeit wird wieder in das Ausgangsschaltprogramm gesprungen. Zusätzlich wird dem Fahrer ein empfohlener Schaltvorgang im Kombiinstrument angezeigt. Dies ist Bestandteil der ebenfalls integrierten Schaltempfehlung. Der Fahrer kann das Kurzzeit-M-Programm durch bestimmte Aktionen selbst vorzeitig abbrechen, z. B. wenn er die Lenkradschalttaste hochschalten (S111/1) in Richtung Plus (+) betätigt und hält, die Fahrstufe wechselt oder wenn er das Fahrprogramm wechselt. Wird eine dieser Voraussetzungen erfüllt, wird wieder in das Ausgangsschaltprogramm gewechselt.
Schaltungen, die unzulässig hohe oder niedrige Motordrehzahlen zur Folge hätten, werden nicht ausgeführt.
Referenzierte Dokumente
- gf2710p9992anf Übersicht Systembauteile Automatikgetriebe (AG)
- gf2710p9992ank Übersicht Systembauteile Automatikgetriebe (AG)