gf0140p1000a

Kurbelgehäuse Grundfunktion

Typ gf · Thema 01.40 · Version 0101 · 2020-03-06

Gültig für: Motor alle (PKW)

Einordnung

Funktionsgruppe 1 Motor › 01 Motor vollständig, Motorentlüftung, Zylinderkopf, Zylinderkurbelgehäuse › 01.40 Zylinderkurbelgehäuse, Steuergehäusedeckel, Abschlußdeckel — Baureihe 900 (Baumuster 9**) · Baureihe 902 (Baumuster 9**) · Baureihe 904 (Baumuster 918, 919, 924, 925, 938, 943, 957) · Baureihe 906 (Baumuster 917, 918, 924, 953)

Gilt auch für Motoren/Getriebe: 139 ***, 254 ***, 256 ***, 272 ***, 276 ***, 282 ***, 457 9**, 541 9**, 542 9**, 608 ***, 700 4**, 700 420, 700 421, 700 422, 700 423, 715 3**, 715 5**, 722 6**, 722 9**, 724 ***, 724 0**, 724 033, 724 044, 724 045, 724 1**, 724 103, 724 114, 724 115, 724 120, 725 ***, 725 0**, 725 035, 725 037, 725 038, 725 085, 725 1**, 739 390, 739 391, 739 395, 739 396, 739 397, 739 398, 739 399, 740 698, 743 3**, 743 4**, 743 498, 746 971, 924 9**, 924 910, 925 9**, 926 9**

GF01.40-P-1000A

Kurbelgehäuse Grundfunktion

06.03.2020

Motor

alle (PKW)

Übersicht

Dieses Dokument enthält Informationen zu:

Allgemeines

Funktion

Allgemeines

Das Kurbelgehäuse ist Hauptbestandteil des Rumpfmotors und vereint die Lagerung der Kurbelwelle sowie den Verbund aus Zylindern in einem Gehäuse. Die Kurbelgehäuse der aktuellen Mercedes Diesel- und Benzinmotoren sind aus Aluminium hergestellt. Im wassergekühlten Kokillengussverfahren gegossen, kühlt das flüssige Aluminium schneller ab und erstarrt früher. Dies hat ein sehr feinkörniges und dichtes Materialgefüge zur Folge, was sehr hohe Festigkeitswerte erzeugt. Zudem sind mit diesem Herstellungsverfahren komplexe Außen- und Innengeometrien erzeugbar. Deutlich gewichtsoptimiert verfügen die Kurbelgehäuse aus Aluminium über eine sehr hohe Materialsteifigkeit, die Spitzenverbrennungsdrücke von bis zu 160 bar zulässt. Die im Inneren des Kurbelgehäuse verlaufenden Kanäle zur Kurbelgehäuseentlüftung bzw. zur effizienten Steuerung der Flüssigkeiten für Motorkühlung und Motorschmierung sind dabei hoch komplex ausgelegt.

Kurbelgehäuse Grundfunktion

P01.40-A026-79

Beispielhafte Darstellung Kurbelgehäuse M139

1

Kurbelgehäuse (Closed-Deck-Bauweise)

4

Kurbelwellenlager oben

1.1

Kanal Kühlmittel

5

Kurbelwellenlagerdeckel mit Ausgleichswellenlager

1.2

Kanal Kurbelgehäuseentlüftung

6

Anlaufscheibe

1.3

Kanal Motoröl

7

Ölspritzdüse

2

Kurbelwellenlagerdeckel

A

Zylinderlauffläche (NANOSLIDE®-Beschichtung)

3

Kurbelwellenlager unten

Kurbelgehäuse Grundfunktion

Beispielhafte Darstellung Kurbelgehäuse M282

1

Kurbelgehäuse (Open-Deck-Bauweise)

1.1

Kanal Kühlmittel

1.2

Kanal Kurbelgehäuseentlüftung

A

Zylinderlauffläche (NANOSLIDE®-Beschichtung)

P01.40-A025-81

Funktion

Das Kurbelgehäuse ist auf der Oberseite durch den Zylinderkopf und nach unten hin durch die Ölwanne abgeschlossen. In Verbindung mit dem Zylinderkopf bilden die Zylinder den Hubraum, der zur Verbrennung des Kraftstoff-Luft-Gemischs dient. Die Zylinderwände des Kurbelgehäuses nehmen dabei die durch die Verbrennung entstehenden Gaskräfte auf. Die bisher separat verbauten Zylinderlaufbuchsen aus Stahl bzw. aus Grauguss sind bei vielen aktuellen Mercedes-Motorbaumustern durch NANOSLIDE®-Beschichtungen ersetzt. Mit dem Lichtbogen-Draht-Spritzen (LDS) direkt auf die Zylinderbohrungen im Kurbelgehäuse aufgetragen, erzeugt dies eine sehr dünne Schicht mit 0,10 mm bis 0,15 mm. Auf Basis einer Eisen-Kohlenstoff-Legierung entsteht so ein ultrafeines, sehr verschleißbeständiges Werkstoffgefüge mit Mikroporosität. Das Resultat ist eine spiegelglatte Oberfläche mit bis zu 50 Prozent reduzierter Reibung zwischen Kolben, Kolbenringen und Zylinderlauffläche sowie eine Gewichtseinsparung von mehreren Kilogramm.

Folgende Motorbaumuster verfügen über Zylinderlaufflächen in NANOSLIDE®-Beschichtung:

M133; M139; M167; M177; M178

M254; M256; M282; M276 DELA

OM654; OM656

Bei folgenden Motorbaumustern sind Zylinderlaufbuchsen aus Grauguss verbaut:

M260; M264

M270; M274

M278; M279

Die Kurbelwelle ist durch die Kurbelwellenlager oben bzw. durch die Kurbelwellenlager unten drehend gelagert und mit den Kurbelwellenlagerdeckeln am Kurbelgehäuse verschraubt. Kühlkanäle im Kurbelgehäuse stellen durch das zirkulierende Kühlmittel die Abfuhr der durch Verbrennung und Reibung entstehenden Wärme sicher. Die Open-Deck-Bauweise bzw. die Closed-Deck-Bauweise sind spezielle Varianten der Kühlkanalstruktur.

Zur effizienten Schmierung aller im Verbrennungsmotor mechanisch bewegter und in Kontakt befindlicher Bauteile verfügt das Kurbelgehäuse über Kanäle zum Transport von Motoröl. Eine weitere Kanalstruktur stellt die Kurbelgehäuseentlüftung sicher. Während der Kompression des Kraftstoff-Luft-Gemisches gelangt heißes und mit Schadstoffen verunreinigtes Gas in das Kurbelgehäuse und belastet das Motoröl. Das Mitreißen von unverbrannten Kraftstoffresten, insbesondere beim Kaltstart, führt zur Ölverdünnung. Um dieser entgegen zu wirken, führt die Kurbelgehäuseentlüftung die entstehenden Leckgase ab und dem Ansaugtakt zur Verbrennung zu.

Das Kurbelgehäuse nimmt diverse Nebenaggregate wie z. B. den Generator, die Wasserpumpe und den Kältemittelkompressor auf und ist über das Steuergehäuse direkt mit dem Getriebe verschraubt.

Open-Deck-Bauweise:
Der Kühlmittelraum ist nach oben hin um die Zylinder geöffnet. Über diesen zusätzlichen Raum ist der obere Zylinderbereich von Kühlmittel umströmt und dadurch eine höhere Kühlleistung erzielt. Die geringere Steifigkeit der Open-Deck-Bauweise gleich der Verbau einer Metallzylinderkopfdichtung aus.

Closed-Deck-Bauweise:
Die Deckplatte ist von kleineren Kanälen für das Kühlmittel durchbrochen. Daraus folgt eine hohe Steifigkeit, welche sich positiv auf die Haltbarkeit von hoch belasteten Motoren auswirkt.

Weitere Grundfunktionen

Kurbelgehäuseentlüftung Grundfunktion

GF01.20-P-1003A

Kurbeltrieb Grundfunktion

GF03.20-P-1000A

Referenzierte Dokumente