TYP | 207.3/4 |
bis Modell-J. 2014 |
Funktionsvoraussetzungen allgemein
Klemme 61 EIN
Adaptive Brake (ABR) funktionsfähig
ABR allgemein
ABR unterstützt den Fahrer in plötzlich auftretenden Gefahrensituationen und dient somit der aktiven Sicherheit.
Dazu wertet das Steuergerät Elektronisches Stabilitäts-Programm (N30/4) außer CODE 233 (DISTRONIC PLUS) oder das Steuergerät Elektronisches Stabilitäts-Programm Premium (N30/7) mit CODE 233 (DISTRONIC PLUS) die Daten folgender Bauteile zur Erfassung der momentanen Fahrsituation aus:
- Sensor Drehgeschwindigkeit, Quer- und Längsbeschleunigung (B24/15)
- Drehzahlsensor Vorderachse links (L6/1)
- Drehzahlsensor Vorderachse rechts (L6/2)
- Drehzahlsensor Hinterachse links (L6/3)
- Drehzahlsensor Hinterachse rechts (L6/4)
- Lenkwinkelsensor (N49)
- Schalter Bremslicht (S9/1)
ABR kommt in 2 Varianten zum Einsatz:
- ABR Basis-System außer CODE 233 (DISTRONIC PLUS)
- ABR Premium-System mit CODE 233 (DISTRONIC PLUS)
Es existieren keine Variantenunterschiede hinsichtlich der nachfolgend beschriebenen Teilfunktionen ABR.
Das System setzt sich aus folgenden Teilfunktionen zusammen:
Funktionsablauf Elektronisches Stabilitäts-Programm (Electronic Stability Program) (ESP®)
Funktionsablauf Elektronische Bremskraftverteilung (EBV)
Funktionsablauf Abgastest, Rollentestmodus
Funktionsablauf Antiblockiersystem (ABS)
Funktionsablauf Antriebs-Schlupf-Regelung (ASR), Elektronisches Traktions-System (ETS)
Funktionsablauf Brake Assist (BAS)
Funktionsablauf BAS PLUS mit CODE 233 (DISTRONIC PLUS)
Funktionsablauf ESP® Anhängerstabilisierung mit CODE 550 (Anhängevorrichtung)
Funktionsablauf Berganfahrhilfe
Funktionsablauf Trockenbremsen
Funktionsablauf Vorfüllen abhängig von der Fahrpedalbetätigung
Funktionsablauf Vorfüllen abhängig von der Querbeschleunigung
Funktionsablauf HOLD-Funktion
Funktionsablauf PRE-SAFE® System
Funktionsablauf ASR und ESP® passiv schalten (bis 31.5.10)
Funktionsablauf ASR und ESP® passiv schalten (ab 1.6.10)
Funktionsablauf Stillstandskoordinator (SSK)
Funktionsablauf Anzeige von Systemstörungen
Funktionsablauf ESP®
ESP® verhindert das Ausbrechen beim Über- oder Untersteuern des Fahrzeugs. Es sorgt (im Rahmen der physikalischen Grenzen) dafür, dass das Fahrzeug nicht von dem vom Fahrer vorgegebenen Kurs abweicht. Dazu werden zur Korrektur gezielt Bremskräfte an den einzelnen Rädern erzeugt. Des Weiteren findet eine Antriebsmomentreduzierung zur Erhöhung der Fahrstabilität statt.
Das Steuergerät Elektronisches Stabilitäts-Programm außer CODE 233 (DISTRONIC PLUS) oder das Steuergerät Elektronisches Stabilitäts-Programm Premium mit CODE 233 (DISTRONIC PLUS) verarbeitet zur Ermittlung des Fahrzeugverhaltens folgende Messgrößen:
- Giergeschwindigkeit
- Lenkwinkel
- Bremsdruck
- Motormoment
- Getriebeschaltstufe
- Querbeschleunigung
Es wird dabei zwischen folgenden Eingriffsarten unterschieden:
Eingriff bei übersteuerndem Verhalten
Eingriff bei untersteuerndem Verhalten
Eingriff bei übersteuerndem Verhalten
Bei beginnendem Übersteuern wird ein Bremsdruck am kurvenäußeren Vorderrad aufgebaut. Der daraus resultierende Abbau der Seitenführungskraft am kurvenäußeren Vorderrad bewirkt ein Giermoment, das der Eindrehbewegung des Fahrzeuges entgegenwirkt. Durch die Bremskraft am Vorderrad nimmt die Fahrzeuggeschwindigkeit ab, wodurch ein zusätzlicher stabilisierender Effekt entsteht.
Eingriff bei untersteuerndem Verhalten
Bei untersteuerndem Fahrzeug ist die maximal mögliche Seitenführungskraft an der Vorderachse überschritten. Das heißt, das Fahrzeug schiebt über die Vorderachse an den äußeren Kurvenrand.
Der daraus resultierenden Instabilität wird durch eine Reduzierung des Antriebsmoments und durch folgende Bremseingriffe an bis zu 3 Rädern entgegengewirkt:
- Bremsdruckaufbau am kurveninneren Hinterrad (Stufe 1)
- Stufe 1 und zusätzlich Bremsdruckaufbau am kurvenäußeren Hinterrad (Stufe 2)
- Stufe 2 und zusätzlich Bremsdruckaufbau am kurveninneren Vorderrad (Stufe 3)
Abhängig von der Bremskraft entsteht ein Moment, welches zum Eindrehen des Fahrzeugs bei gleichzeitiger Geschwindigkeitsabnahme führt, wodurch ein erheblich stabilisierender Effekt entsteht. Das Steuergerät Elektronisches Stabilitäts-Programm außer CODE 233 (DISTRONIC PLUS) oder das Steuergerät Elektronisches Stabilitäts-Programm Premium mit CODE 233 (DISTRONIC PLUS) sendet über Fahrwerk-CAN (CAN E) ein Signal zur Antriebsmomentreduzierung an das Steuergerät CDI (N3/9) (bei Dieselmotor) oder das Steuergerät ME (N3/10) (bei Benzinmotor), welches die Motorleistung entsprechend reduziert. Ein eventuell anstehender Schaltvorgang wird während des Regeleingriffes unterdrückt.
Hierzu sendet das Steuergerät Elektronisches Stabilitäts-Programm außer CODE 233 (DISTRONIC PLUS) oder das Steuergerät Elektronisches Stabilitäts-Programm Premium mit CODE 233 (DISTRONIC PLUS) ein Signal über Fahrwerk-CAN an das Steuergerät CDI (bei Dieselmotor) oder das Steuergerät ME (bei Benzinmotor), welches die Information über den Antriebs-CAN (CAN C) an das Steuergerät Elektronische Getriebesteuerung (N15/3) (bei Getriebe 722.6) oder an das Steuergerät Vollintegrierte Getriebesteuerung (Y3/8n4) (bei Getriebe 722.9) sendet. Das Steuergerät Elektronische Getriebesteuerung (bei Getriebe 722.6) oder das Steuergerät Vollintegrierte Getriebesteuerung (bei Getriebe 722.9) unterdrückt den Schaltvorgang.
Funktionsablauf EBV
EBV unterstützt den Fahrer bei mittelstarker Bremspedalbetätigung. EBV verhindert ein Überbremsen der Hinterachse und erhöht beim Bremsen in der Kurve die Fahrzeugstabilität, indem ggf. der Druck am kurveninneren Hinterrad reduziert bzw. am kurvenäußeren Vorderrad erhöht wird.
Mit Hilfe der Giergeschwindigkeit (Fahrzeugdrehgeschwindigkeit um die Hochachse) wird der Schwimmwinkel (Winkel zwischen Fahrzeuglängsachse und Bewegungsrichtung des Fahrzeugschwerpunktes) ermittelt. Aus der Giergeschwindigkeit, der Querbeschleunigung und dem Einschlagwinkel der Vorderräder, welcher aus dem Lenkwinkel errechnet wird, lassen sich die Querkräfte an den Rädern ermitteln. Die Längskräfte an den Rädern werden aus dem Motormoment, der Getriebeschaltstufe und dem Bremsdruck an jedem Rad bestimmt.
Entspricht die gemessene Giergeschwindigkeit nicht dem Sollwert oder ist der ermittelte Schwimmwinkel zu groß, erzeugt das Steuergerät Elektronisches Stabilitäts-Programm außer CODE 233 (DISTRONIC PLUS) oder das Steuergerät Elektronisches Stabilitäts-Programm Premium mit CODE 233 (DISTRONIC PLUS) für das entsprechende Rad ein Signal zum Bremskraftaufbau oder zum Bremskraftabbau. Die sich dabei einstellenden Kräfte stabilisieren das Fahrzeug.
Funktionsablauf Abgastest, Rollentestmodus
ABR kann zu Fahrzeugprüfzwecken in den Rollentestmodus gesetzt werden, wenn über das Kombiinstrument (A1) das Werkstattmenü aktiviert ist und dann der Motor gestartet wird. ESP®, ABS und ASR werden dann passiv geschaltet. Zusätzlich wird eine entsprechende Meldung im Kombiinstrument angezeigt. Der Rollentestmodus kann auch über das Diagnose-Assistenz-System (DAS) aktiviert werden.
Funktionsablauf ABS
ABS verhindert das Blockieren der Räder beim Bremsen und erhält dadurch die Lenkbarkeit und die Fahrstabilität während der Fahrzeugverzögerung aufrecht. Wird durch die Signale der Drehzahlsensoren vom Steuergerät Elektronisches Stabilitäts-Programm außer CODE 233 (DISTRONIC PLUS) oder vom Steuergerät Elektronisches Stabilitäts-Programm Premium mit CODE 233 (DISTRONIC PLUS) ein blockierendes Rad erkannt, wird der Bremsdruck am entsprechenden Bremszylinder so lange reduziert, bis sich das Rad wieder dreht.
Funktionsablauf ASR, ETS
ASR und ETS verhindern das Durchdrehen der Antriebsräder im Fahrbetrieb. ASR und ETS bewirken zusätzlich eine verbesserte Fahrstabilität bei erhöhtem Traktionsvermögen über den gesamten Geschwindigkeitsbereich. Das Durchdrehen der Antriebsräder wird über die Signale der Drehzahlsensoren vom Steuergerät Elektronisches Stabilitäts-Programm außer CODE 233 (DISTRONIC PLUS) oder vom Steuergerät Elektronisches Stabilitäts-Programm Premium mit CODE 233 (DISTRONIC PLUS) erfasst. Im Falle des Durchdrehens findet eine Reduzierung des Antriebsmoments statt.
Hierzu sendet das Steuergerät Elektronisches Stabilitäts-Programm außer CODE 233 (DISTRONIC PLUS) oder das Steuergerät Elektronisches Stabilitäts-Programm Premium mit CODE 233 (DISTRONIC PLUS) über Fahrwerk-CAN ein Signal zur Antriebsmomentreduzierung an das Steuergerät CDI (bei Dieselmotor) oder das Steuergerät ME (bei Benzinmotor), welches die Motorleistung entsprechend reduziert. Es wird ständig überprüft, ob z. B. in Folge verbesserter Fahrbahngriffigkeit das vom Fahrer über den Fahrpedalsensor (B37) vorgegebene Antriebsmoment wieder zugelassen werden kann. Durch gezielte Bremseingriffe am durchdrehenden Rad wird das Antriebsmoment auf das gegenüberliegende laufende Antriebsrad übertragen.
Funktionsablauf BAS
BAS erkennt Notbremssituationen anhand einer schnellen Bremspedalbetätigung und erhöht ggf. den Bremsdruck, um die maximal mögliche Verzögerung zu erzielen. Das Steuergerät Elektronisches Stabilitäts-Programm außer CODE 233 (DISTRONIC PLUS) oder das Steuergerät Elektronisches Stabilitäts-Programm Premium mit CODE 233 (DISTRONIC PLUS) wertet hierfür den Grad des Druckanstieges im Bremssystem aus und leitet beim Überschreiten einer bestimmten Auslöseschwelle eine Notbremsung ein.
Funktionsablauf BAS PLUS mit CODE 233 (DISTRONIC PLUS)
BAS PLUS erhöht in Abhängigkeit von der Geschwindigkeit der Bremspedalbetätigung und der Entfernung des vorausfahrenden Fahrzeugs den Bremsdruck.
Funktionsablauf ESP® Anhängerstabilisierung mit CODE 550 (Anhängevorrichtung)
Die ESP® Anhängerstabilisierung erkennt ein in Pendelschwingung geratenes Gespann anhand der durch den Anhänger angeregten Gierschwingungen im ziehenden Fahrzeug. Aktiviert wird die Funktion, wenn ein Anhänger durch das Steuergerät Anhängererkennung (N28/1) erkannt wird und ein Signal über den Innenraum-CAN (CAN B) an das Steuergerät SAM mit Sicherungs- und Relaismodul vorn (N10/1) gesendet wird.
Das Steuergerät SAM mit Sicherungs- und Relaismodul vorn routet das Signal auf den Fahrwerk-CAN, über den das Signal vom Steuergerät Elektronisches Stabilitäts-Programm außer CODE 233 (DISTRONIC PLUS) oder vom Steuergerät Elektronisches Stabilitäts-Programm Premium mit CODE 233 (DISTRONIC PLUS) empfangen wird. Ein in Pendelschwingung geratenes Gespann wird durch den Sensor Drehgeschwindigkeit, Quer- und Längsbeschleunigung erkannt. Das Steuergerät Elektronisches Stabilitäts-Programm außer CODE 233 (DISTRONIC PLUS) oder das Steuergerät Elektronisches Stabilitäts-Programm Premium mit CODE 233 (DISTRONIC PLUS) empfängt diese Informationen über den Fahrdynamik-CAN (CAN H).
Am Anhänger oder an der Anhängevorrichtung wird keine Zusatzsensorik verwendet.
Die ESP® Anhängerstabilisierung stabilisiert das Gespann durch wechselseitige Bremsdruckanforderungen an der Vorderachse und verzögert ggf. das Gespann durch Momentenreduzierung und Druckaufbau an allen Rädern. Prinzipiell wird nur die Vorderachse stabilisiert. Wird eine stark negative Dämpfung erkannt, erfolgt zur Stabilisierung auch ein Verzögerungseingriff.
Erfolgen mehrere ESP®-Eingriffe kurz hintereinander, wird der reine Stabilisierungseingriff unabhängig von der ermittelten Dämpfung verboten.
Somit wird verhindert, dass das Gespann ständig mit kritischer Geschwindigkeit fährt und kurz hintereinander folgende Eingriffe die Bremsanlage zu sehr belasten.
Die aktive Gespannstabilisierung verändert die kritische Geschwindigkeit nicht.
Zusätzliche Funktionsvoraussetzungen Funktionsablauf Berganfahrhilfe
Getriebe nicht in Stellung "N"
Fahrzeug nicht mit der Feststellbremse gesichert
Steigung bei Fahrzeugstillstand erkannt
Funktionsablauf Berganfahrhilfe
Die Berganfahrhilfe verhindert beim Anfahren das Zurückrollen des Fahrzeugs entgegen der Fahrtrichtung der eingelegten Fahrstufe während des Wechsels vom Bremspedal zum Fahrpedal.
Die Funktion Berganfahrhilfe wird automatisch ausgelöst, wenn bei Fahrzeugstillstand über den Sensor Drehgeschwindigkeit, Quer- und Längsbeschleunigung eine Steigung oder ein Gefälle erkannt wird, das ein Rollen entgegen der Fahrtrichtung der eingelegten Fahrstufe verursachen würde.
Dies wird über Fahrdynamik-CAN an das Steuergerät Elektronisches Stabilitäts-Programm außer CODE 233 (DISTRONIC PLUS) oder das Steuergerät Elektronisches Stabilitäts-Programm Premium mit CODE 233 (DISTRONIC PLUS) gesendet.
Das Steuergerät Elektronisches Stabilitäts-Programm außer CODE 233 (DISTRONIC PLUS) oder das Steuergerät Elektronisches Stabilitäts-Programm Premium mit CODE 233 (DISTRONIC PLUS) liest zudem den Schalter Bremslicht direkt ein und erkennt somit den Status des Bremspedals.
Der Status der Feststellbremse wird über den Kontrollschalter Feststellbremse (S12) erfasst. Der Schalterstatus des Kontrollschalters Feststellbremse wird vom Steuergerät SAM mit Sicherungs- und Relaismodul vorn direkt eingelesen und über Fahrwerk-CAN an das Steuergerät Elektronisches Stabilitäts-Programm außer CODE 233 (DISTRONIC PLUS) oder das Steuergerät Elektronisches Stabilitäts-Programm Premium mit CODE 233 (DISTRONIC PLUS) gesendet.
Durch die Hydraulikeinheit Traktionssystem (A7/3) wird der vom Fahrer aufgebrachte Bremsdruck in den Bremszylindern belassen.
Nach Lösen des Bremspedals wird der Bremsdruck in Abhängigkeit von Hangabtriebsmoment, Bremsmoment und Antriebsmoment moduliert. Sobald das Anfahrmoment ausreicht, wird die Funktion beendet und das Fahrzeug fährt an.
Betätigt der Fahrer jedoch das Fahrpedal nicht, wird nach t = 1 s der Druck in den Bremszylindern abgebaut.
Zusätzliche Funktionsvoraussetzungen Funktionsablauf Trockenbremsen
Kein Bremseingriff durch ein Regelsystem
Geschwindigkeit v > 30 km/h
Anzahl der Wischerläufe > 600
Der Status der Wischeranlage wird vom Steuergerät SAM mit Sicherungs- und Relaismodul vorn über Fahrwerk-CAN an das Steuergerät Elektronisches Stabilitäts-Programm außer CODE 233 (DISTRONIC PLUS) oder das Steuergerät Elektronisches Stabilitäts-Programm Premium mit CODE 233 (DISTRONIC PLUS) gesendet.
Funktionsablauf Trockenbremsen
Die Funktion Trockenbremsen unterstützt die Leistungsfähigkeit der Bremse der Vorderachse bei Nässe. Durch zyklisches Anlegen der Bremsbeläge für t = 0,5 s mit einem Bremsdruck von p = 1 bar wird der Wasserfilm von der Bremsscheibe abgestreift. Dadurch verbessert sich das Ansprechverhalten der Bremse.
Funktionsablauf Vorfüllen abhängig von der Fahrpedalbetätigung
Bei Erkennen einer vermeintlichen Notbremssituation werden die Bremsbeläge an die Bremsscheiben angelegt. Das Lüftspiel zwischen Bremsbelag und Bremsscheibe wird dadurch kompensiert, bevor der Fahrer die Bremse betätigt. Das Ansprechverhalten der Bremse wird verbessert und es kann eine Verkürzung des Bremsweges erreicht werden.
Die Notbremserkennung erfolgt über den Lösegradienten des Fahrpedals, welcher aus der Fahrpedalstellung gebildet wird. Wird ein schnelles Lösen des Fahrpedals detektiert, nimmt das System an, dass der Fahrer beabsichtigt zu bremsen. Die Funktion wird aktiviert und ein Bremsdruck von p = 2 bis 3 bar wird angefordert.
Um die berechnete Auslöseschwelle des Lösegradienten an das Fahrerverhalten anzupassen, ist ein Lernalgorithmus implementiert, der anhand der mittleren Rücknahmegeschwindigkeit des Fahrpedals den Fahrer in die Kategorie "Normalfahrer" oder in die Kategorie "Hektischer Fahrer" einordnet.
Funktionsablauf Vorfüllen abhängig von der Querbeschleunigung
Bei dynamischer Kurvenfahrt werden die Bremsbeläge an die Bremsscheiben der Vorderachse angelegt. Somit wird das Lüftspiel zwischen Bremsbelag und Bremsscheibe kompensiert, um bei einem evtl. ESP®-Eingriff möglichst schnell die erforderliche Bremsleistung am entsprechenden Rad zu erhalten.
Funktionsablauf HOLD-Funktion
Die HOLD-Funktion unterstützt den Fahrer beim Anfahren am Berg oder bei Wartezeiten im Verkehr. Durch zügiges Nachtreten des Bremspedals im Stillstand wird die HOLD-Funktion aktiviert. Der eingestellte Bremsdruck wird gehalten, bis der Fahrer erneut schnell auf das Bremspedal tritt oder anfährt.
Warnstrategie
Ist die HOLD-Funktion aktiviert und will der Fahrer das Fahrzeug verlassen, wird der Auszug des Schlüssels aus dem Steuergerät elektronisches Zündschloss (N73) gesperrt.
Über das Kombiinstrument werden eine akustische und optische Warnung ausgegeben.
Funktionsablauf PRE-SAFE® System
Das PRE-SAFE® System wird bei kritischen Fahrzuständen aktiviert, d. h. in einer potenziellen Unfallsituation. Durch die vor dem eigentlichen Aufprall aktivierten Funktionen sollen für die Insassen optimale Voraussetzungen beim zu erwartenden Unfall geschaffen werden.
Das PRE-SAFE® System ist im Steuergerät Elektronisches Stabilitäts-Programm außer CODE 233 (DISTRONIC PLUS) oder in dem Steuergerät Elektronisches Stabilitäts-Programm Premium mit CODE 233 (DISTRONIC PLUS) integriert. Erkennt das Steuergerät Elektronisches Stabilitäts-Programm außer CODE 233 (DISTRONIC PLUS) oder das Steuergerät Elektronisches Stabilitäts-Programm Premium mit CODE 233 (DISTRONIC PLUS) eine der folgenden Situationen, wird das PRE-SAFE® System aktiviert:
- Panik-Nachbremsung (der Verzögerungswunsch des Fahrers ist größer als physikalisch möglich)
- Starkes Übersteuern (ausbrechendes Fahrzeugheck in Verbindung mit starken ESP®-Regeleingriffen)
- Starkes Untersteuern (das Fahrzeug schiebt über längere Zeit stark über die Vorderräder)
- Schnelle Lenkbewegungen bei hohen Geschwindigkeiten, die auf eine Schreckreaktion des Fahrers schließen lassen und zu Fahrzeuginstabilitäten führen können
Das PRE-SAFE® System ist in einer separaten Funktionsbeschreibung beschrieben.
Funktionsablauf ASR und ESP® passiv schalten (bis 31.5.10)
Die Funktionen ASR- und ESP® können über die Taste ESP (S6/1s5) in der Schaltergruppe Instrumententafel (S6/1) passiv geschaltet werden. Die Schaltergruppe Instrumententafel wird über Instrumententafel-LIN (LIN 1) vom Steuergerät SAM mit Sicherungs- und Relaismodul vorn eingelesen und über Fahrwerk-CAN an das Steuergerät Elektronisches Stabilitäts-Programm außer CODE 233 (DISTRONIC PLUS) oder das Steuergerät Elektronisches Stabilitäts-Programm Premium mit CODE 233 (DISTRONIC PLUS) gesendet.
Ist das System passiv geschaltet, leuchtet die Warnleuchte Elektronisches Stabilitäts-Programm (A1e41) im Kombiinstrument. Die Regelschwellen sind bei passiv geschaltetem System angehoben.
Funktionsablauf ASR und ESP® passiv schalten (ab 1.6.10)
Die Funktionen ASR und ESP® können im Fahrbetrieb mit der Tastengruppe Multifunktionslenkrad links (S110) und der Tastengruppe Multifunktionslenkrad rechts (S111) über das Menü "Assistenz" und das Untermenü "ESP" des Kombiinstruments passiv geschaltet werden.
Die Bediensignale des Multifunktionslenkrads (MFL) erhält das Kombiinstrument über folgenden Weg:
- Lenkradelektronik (N135)
- Lenkungs-LIN (LIN E1)
- Steuergerät Mantelrohrmodul (N80)
- Fahrwerk-CAN
Das Kombiinstrument sendet dann die Anforderung "ESP_OFF" über den Fahrwerk-CAN an das Steuergerät Elektronisches Stabilitäts-Programm außer CODE 233 (DISTRONIC PLUS) oder das Steuergerät Elektronisches Stabilitäts-Programm Premium mit CODE 233 (DISTRONIC PLUS). Wenn die Funktionen passiv geschaltet sind, leuchtet die Warnleuchte Elektronisches Stabilitäts Programm im Kombiinstrument auf. Die Regelschwellen sind bei passiv geschalteten Funktionen ASR und ESP® angehoben. Das ABS ist nicht abschaltbar. Während einer Bremsung ist ESP® immer aktiv.
Funktionsablauf Stillstandskoordinator (SSK)
Der Stillstandskoordinator fordert bei aktivierten Assistenzsystemen, wie z. B. HOLD-Funktion, und einem unklaren Fahrerstatus die Überführung des Fahrzeuges in einen gesicherten Zustand an.
Der Fahrerstatus gilt als unklar, wenn die Fahrertür geöffnet und die Gurtzunge des Sicherheitsgurtes Fahrer nicht im Gurtschloss gesteckt ist. Das Stecken der Gurtzunge ins Gurtschloss wird vom Schalter Rückhaltesystem Gurtschloss Fahrer (S68/3) erkannt. Das Steuergerät Steuergerät Supplemental Restraint System (N2/10) liest den Status des Schalters Rückhaltesystem Gurtschloss Fahrer direkt ein und sendet diesen über den Fahrwerk-CAN an das Steuergerät Elektronisches Stabilitäts-Programm außer CODE 233 (DISTRONIC PLUS) oder das Steuergerät Elektronisches Stabilitäts-Programm Premium mit CODE 233 (DISTRONIC PLUS).
Die Bedienbarkeit der Assistenzsysteme wird gesperrt.
Funktionsablauf Anzeige von Systemstörungen
Der Fahrer wird durch nachfolgende Anzeigen im Kombiinstrument über den Systemzustand bzw. über Fehler informiert:
- Kontrollleuchte Anti-Blockier-System (A1e17)
- Warnleuchte Elektronisches Stabilitäts-Programm
- Meldungen im Multifunktions-Display (A1p13)
Bei Ausfall des Steuergeräts Elektronisches Stabilitäts-Programm außer CODE 233 (DISTRONIC PLUS) oder des Steuergeräts Elektronisches Stabilitäts-Programm Premium mit CODE 233 (DISTRONIC PLUS) steht immer eine Grundbremsfunktion ohne ABS zur Verfügung.
Der Status des Schalters Bremsflüssigkeitsstand (S11) und des Kontrollschalters Feststellbremse wird vom Steuergerät SAM mit Sicherungs- und Relaismodul vorn eingelesen und über Innenraum-CAN an das Kombiinstrument gesendet.
Referenzierte Dokumente
- gf4247p000102ca Adaptive Brake (ABR) Anordnung der Bauteile
- gf4247p000103ca Adaptive Brake (ABR) Blockschaltbild
- gf4247p9997ca Übersicht Systembauteile Adaptive Brake (ABR)