Grundsätzlich ist eine Freischaltung des Hochvolt-Bordnetzes mit XENTRY Diagnosis durchzuführen.
Die Reparatur-, Wartungs- und Diagnosetätigkeiten an Fahrzeugen mit Hochvolt-Bordnetz dürfen ausschließlich von qualifizierten Mitarbeiten durchgeführt werden. Als Mindestqualifikation ist hierfür die Hochvolt-Sensibilisierung erforderlich. Das Freischalten (spannungsfrei) des Hochvolt-Bordnetzes vor Tätigkeiten am Fahrzeug und für die anschließende Inbetriebnahme nach den Tätigkeiten darf nur durch eine Elektrofachkraft für Hochvolt-Bordnetze in Kraftfahrzeugen, Arbeitsgebiet Serienfahrzeug, durchgeführt werden.
Weitere Informationen zum Umgang mit dem Hochvolt-Bordnetz und zu den Sicherheitsanforderungen finden Sie im Werkstatt-Informations-System (WIS) in den Informationsarten "Allgemeine Hinweise" (AH), "Sicherheitshinweise" (AS) und "Organisation Formulare" (OF).
Einschalten und Trennen des Hochvolt-Bordnetzes
Je nach Betriebssituation, z. B. Laden, Service oder Unfall, kann bzw. muss das Hochvolt-Bordnetz eingeschaltet oder getrennt werden.
Das Abschalten des Hochvolt-Bordnetzes bei einem Unfall wird durch das Auslösen der Pyrosicherung veranlasst. Das Trennelement wird vom Steuergerät Supplemental Restraint System (SRS) bei Crash-Erkennung angesteuert. Es führt zu einem allpoligen Trennen der Energiequellen, zur Deaktivierung des generatorischen Betriebs der elektrischen Maschine und zum Entladen der Kondensatoren auf einen Wert unterhalb des gefährlichen Spannungsbereichs. Es findet ein gestuftes Abschalten des Hochvolt-Bordnetzes bei Kurzschluss über Software und elektrische Sicherungen statt.
Im Fall eines Unfalls erkennt ein Sicherheitssystem die Schwere des Crashs und entscheidet, ob das Hochvolt-Bordnetz reversibel oder irreversibel abgeschaltet werden muss.
Reversibel: kleine Bagatellschäden ohne Auslösung des Airbags oder Beeinträchtigung des Hochvolt-Bordnetzes. Der Hochvolt-Zwischenspeicher wird innerhalb weniger Sekunden entladen. Das Fahrzeug kann über die Zündung wieder neu gestartet werden.
Irreversibel: Die Spannungsversorgung der Schütze wird durch ein pyrotechnisches Element unterbrochen. Der Hochvolt-Zwischenspeicher wird innerhalb weniger Sekunden entladen. Das Fahrzeug kann durch den Betreiber nicht wieder gestartet werden.
Manuelle Spannungsfreischaltung des Hochvolt-Bordnetzes
Für Arbeiten am Hochvolt-Bordnetz muss die Spannungsfreiheit hergestellt sowie der spannungsfreie Zustand des Hochvolt-Bordnetzes sichergestellt werden.
Dies muss unter Beachtung und Einhaltung der drei Sicherheitsregeln geschehen:
Freischalten (spannungsfrei)
Gegen Wiedereinschalten sichern.
Spannungsfreiheit prüfen und sicherstellen (Fahrzeug-Freischaltprotokoll gut sichtbar am Fahrzeug anbringen).
Bei der Spannungsfreischaltung des Hochvolt-Bordnetzes mit XENTRY Diagnosis sind die Sicherheitshinweise zu beachten und die Anweisungen zu befolgen. Dabei werden u. a. vor der Aktivierung der Hochvolt-Abschaltvorrichtung (S7) die Istwerte aus dem jeweiligen Steuergerät ausgelesen und ausgewertet sowie die Verriegelung der Hochvoltkomponenten-Sperre in den Steuergeräten angesteuert.
Auch bei einem Unfall muss das Fahrzeug durch Rettungskräfte spannungsfrei geschaltet werden.
Es sind zwei Hochvolt-Abschaltvorrichtungen für die manuelle Spannungsfreischaltung vorhanden:
Hochvolt-Abschaltvorrichtung (S7) im Motorraum
Spannungsfreischaltung des Hochvolt-Bordnetzes, z. B. für Arbeiten in der Werkstatt, aber auch bei einem Unfall
Alternative Hochvolt-Abschaltvorrichtung für den Notfall (Hochvolt-Rettungstrennstelle)
Spannungsfreischaltung (irreversibel) des Hochvolt-Bordnetzes nur für den Notfall, z. B. bei einem Unfall
S7 | Hochvolt-Abschaltvorrichtung |
D08.00-A002-75
Hochvolt-Abschaltvorrichtung (S7) (Service-Trennstelle im Motorraum)
Die Hochvolt-Abschaltvorrichtung (S7) dient der Sicherung der Spannungsfreischaltung und befindet sich am Modulhalter vorn rechts im Motorraum.
Die Hochvolt-Abschaltvorrichtung trennt die Spannungsversorgung der Schütze, sodass diese nicht mehr zugeschaltet werden können.
S54.10-A001-77
1 | Gehäuse Hochvolt-Abschaltvorrichtung | 3 | Vorhängeschloss | |
2 | Brückenstecker | 4 | Sicherung |
Freischalten (spannungsfrei)
Der Brückenstecker (2), wie in Bildfolge (A, B, C) dargestellt, wird an der Sicherung (4) entriegelt, aus dem Gehäuse Hochvolt-Abschaltvorrichtung (1) herausgezogen und mit einem Vorhängeschloss (3) gegen eine Wiederinbetriebnahme gesichert.
5 | Abdeckung Sitzkasten Fahrersitz |
6 | Hinweisschild (Hochvolt-Rettungstrennstelle) |
D08.00-A016-76
Alternative Hochvolt-Abschaltvorrichtung für den Notfall (Hochvolt-Rettungstrennstelle)
Die alternative Hochvolt-Abschaltvorrichtung (Hochvolt-Rettungstrennstelle) ist nur zu betätigen, wenn die Hochvolt-Abschaltvorrichtung (S7) im Motorraum nicht betätigt werden kann, da dieser Schritt irreversibel ist.
Für die Rettungsdienste gibt es zwei spezielle Aufkleber mit dem QRCode® als Link zur Rettungskarte. Diese befinden sich an der BSäule Fahrerseite sowie an der BSäule auf der Beifahrerseite und kennzeichnen die Lage der Komponenten des Hochvolt-Bordnetzes sowie pyrotechnische Einrichtungen und Abschaltvorrichtungen.
Die alternative Hochvolt-Abschaltvorrichtung befindet sich hinter der Abdeckung Sitzkasten Fahrersitz (5). Sie ist mit einem Hinweisschild (6) an der elektrischen Leitung gekennzeichnet. Hierbei ist die elektrische Leitung an der markierten Trennstelle durchzuschneiden. Die Leitung befindet sich nicht im Hochvolt-Bordnetz.
Die standardisierte Hochvolt-Rettungstrennstelle dient den Rettungskräften zur irreversiblen Abschaltung des Hochvolt-Bordnetzes bei Rettung und Bergung.