gf0700p1000a

Gemischaufbereitung Grundfunktion

Typ gf · Thema 07.00 · Version 0106 · 2020-09-09

Gültig für: Motor alle (PKW)

Einordnung

Funktionsgruppe 1 Motor › 07 Gemischaufbereitung › 07.00 Allgemeines — Baureihe 900 (Baumuster 9**) · Baureihe 902 (Baumuster 9**) · Baureihe 904 (Baumuster 918, 919, 924, 925, 938, 943, 957) · Baureihe 906 (Baumuster 917, 918, 924, 953)

Gilt auch für Motoren/Getriebe: 139 ***, 254 ***, 256 ***, 272 ***, 276 ***, 282 ***, 457 9**, 541 9**, 542 9**, 608 ***, 700 4**, 700 420, 700 421, 700 422, 700 423, 715 3**, 715 5**, 722 6**, 722 9**, 724 ***, 724 0**, 724 033, 724 044, 724 045, 724 1**, 724 103, 724 114, 724 115, 724 120, 725 ***, 725 0**, 725 035, 725 037, 725 038, 725 085, 725 1**, 739 390, 739 391, 739 395, 739 396, 739 397, 739 398, 739 399, 740 698, 743 3**, 743 4**, 743 498, 746 971, 924 9**, 924 910, 925 9**, 926 9**

GF07.00-P-1000A

Gemischaufbereitung Grundfunktion

09.09.2020

Motor

alle (PKW)

Übersicht

Dieses Dokument enthält Informationen zu:

Allgemeines

Funktionsvoraussetzungen

Funktion

Allgemeines

Die Gemischaufbereitung umfasst die Förderung des flüssigen Kraftstoffs durch den Kraftstoffhochdruckkreislauf, die Einspritzregelung und die Gemischbildung. Der flüssige Kraftstoff wird über den Kraftstoffhochdruckkreislauf zum Kraftstoffeinspritzsystem gefördert. Die Gemischbildung, d. h. die Vermengung von verdampftem Kraftstoff und zugeführter Luft, findet im Brennraum statt.

Funktionsvoraussetzungen

Motormanagement EIN (Klemme 87M)

Motor in Betrieb

Funktion

Lambdaregelung (Dieselmotor)

Der Dieselmotor arbeitet mit heterogener innerer Gemischbildung und Selbstzündung. Die Luftzahl λ gibt an, inwieweit das tatsächliche Kraftstoff-Luft-Gemisch von dem stöchiometrischen Kraftstoff-Luft-Verhältnis im Zylinder abweicht. Die Lambdawerte von Dieselmotoren liegen bei Volllast zwischen λ=1,15 und λ=2,0 und im Leerlauf zwischen λ=10 bis λ=18.

Lambdaregelung (Ottomotor)

Direkt einspritzende Ottomotoren arbeiten im Schichtladungs- und Homogenbetrieb. Im Homogenbetrieb liegen die Lambdawerte zwischen λ=0,5 und λ=1,3. Im Schichtbetrieb sind die Lambdawerte abhängig vom Fahr- und Lastzustand (z. B. Teil- oder Volllastbetrieb).

Bei der Benzin-Direkteinspritzung handelt es sich um ein Gemischbildungsverfahren, bei dem der Ottokraftstoff unter hohem Druck direkt in den Brennraum eingespritzt wird.

Kraftstoffhochdruckkreislauf

Der Kraftstoff-Hochdruckreislauf setzt sich im Wesentlichen aus folgenden Komponenten zusammen:

Kraftstoffverteiler

Hochdruckleitungen

Druckbegrenzungsventil (Dieselmotor)

Kraftstoffdrucksensor im Kraftstoffverteiler

Kraftstoffinjektoren

Mengenregelventil

Kraftstoffhochdruckpumpe

Die Kraftstoffhochdruckpumpe verbindet Kraftstoffniederdruckkreislauf und Kraftstoffhochdruckkreislauf. Aufgabe der Kraftstoffhochdruckpumpe ist es, den Kraftstoff zu verdichten und in den Kraftstoffverteiler zu fördern.

Das Mengenregelventil in der Kraftstoffhochdruckpumpe regelt den Kraftstoffdurchfluss in den Kraftstoffhochdruckkreislauf.

Vom Kraftstoffverteiler gelangt der Kraftstoff über Hochdruckleitungen zu den Kraftstoffinjektoren, die den Kraftstoff direkt, zylinderselektiv und fein zerstäubt in den Brennraum einspritzen. Das Steuergerät Verbrennungsmotor berechnet kennfeldabhängig die Einspritzung für den jeweiligen Betriebszustand. Die Einspritzmenge ist abhängig vom Kraftstoffdruck im Kraftstoffverteiler und der Ansteuerdauer der Kraftstoffinjektoren.

Der Kraftstoffdruck im Kraftstoffverteiler wird über das Mengenregelventil geregelt. Der Kraftstoffdruck im Kraftstoffverteiler wird durch den Kraftstoffdrucksensor erfasst und durch das Druckbegrenzungsventil (Dieselmotor) begrenzt.

Gemischaufbereitung Grundfunktion

Beispielhafte Darstellung Kraftstoffhochdruckkreislauf 4-Zylinder Ottomotor

1

Mengenregelventil

2

Hochdruckleitung

3

Kraftstoffdrucksensor

4

Rollenstößel

5.1

Kraftstoffinjektor Zylinder 1

5.2

Kraftstoffinjektor Zylinder 2

5.3

Kraftstoffinjektor Zylinder 3

5.4

Kraftstoffinjektor Zylinder 4

6

Kraftstoffverteiler

7

Kraftstoffhochdruckpumpe

P07.00-A001-76

Einspritzregelung Ottomotor

Direkt einspritzende Ottomotoren sind für homogene wie auch heterogene Brennverfahren ausgelegt. Der Kraftstoffeinspritzdruck erreicht bis zu 250 bar. Als Injektoren werden piezogesteuerte Mehrlochventile verwendet, die meist zentral im Brennraum angeordnet sind. Der Antrieb der Kraftstoff-Hochruckpumpe erfolgt über die Nockenwelle.

Folgende Betriebszustände werden durch eine Mehrfacheinspritzung unterstützt:

Starten

Dreiwegekatalysator aufheizen

Verbrennungsstabilisierung bei hoher Motordrehzahl, d. h. Motordrehzahl  < 2000/min

Warmhalten des Dreiwegekatalysators im Leerlauf bei längeren Leerlaufphasen

Das Steuergerät Verbrennungsmotor berechnet kennfeldabhängig Einspritzdauer und -druck auf Basis folgender Signale:

Kraftstoffdruck und -temperatur

Hallsignal Einlassnockenwelle

Hallsignal Auslassnockenwelle

Kühlmitteltemperatur

Ladelufttemperatur vor Drosselklappe

Ladelufttemperatur nach Drosselklappe

Druck nach Drosselklappe, Motorlast

Motorlastanforderung

Fahrpedalsensor, Fahrpedalbetätigung (schnell oder langsam)

Motordrehzahl

Lambdawert vor Katalysator

Zusätzlich werden die Anforderungen der Funktion Drehmomentkoordination berücksichtigt.

Das Steuergerät Verbrennungsmotor regelt die Einspritzdauer unter folgenden Betriebsbedingungen:

Teillastbetrieb

Volllastbetrieb

Lastwechsel

Über die Einspritzdauer (Öffnung des Injektors) wird dem Injektor die Einspritzmenge zugeteilt.

Teillastbetrieb

Im Teillastbetrieb wird vom Steuergerät Verbrennungsmotor bei betriebswarmem Motor die Ansteuerzeit der Kraftstoffinjektoren in Abhängigkeit folgender Faktoren berechnet:

Lambdaregelung

Kraftstoffdruck

Angefordertes Motordrehmoment

Volllastbetrieb

Um das maximale Motordrehmoment sicherzustellen, wird im Volllastbetrieb vom Steuergerät Verbrennungsmotor bei voll geöffneter Drosselklappe die Ansteuerzeit der Kraftstoffinjektoren verlängert und der Einspritzdruck erhöht.

Am Fahrpedalsensor sind ca. 10 bis 90 % Verdrehbereich als Teillast und mehr als ca. 90 % Verdrehbereich als Volllast definiert.

Lastwechsel

Bei einer schnellen Änderung der Fahrpedalstellung, z. B. bei der Fahrzeugbeschleunigung, wird die Drosselklappe mit hoher Geschwindigkeit geöffnet oder geschlossen. Dabei kann es zu einem kurzzeitigen Abmagern oder Anfetten des Kraftstoff-Luft-Gemisches kommen. Das Steuergerät Verbrennungsmotor passt dementsprechend das Kraftstoff-Luft-Gemisch an, indem es kennfeldabhängig die Ansteuerzeit der Kraftstoffinjektoren verlängert oder verkürzt. Dadurch werden Ruckelerscheinungen, die durch schnelles Öffnen und Schließen der Drosselklappe verursacht werden, verhindert.

Gemischaufbereitung Grundfunktion

Beispielhafte Darstellung Kraftstoffhochdruckkreislauf 4-Zylinder Dieselmotor

8.1

Kraftstoffinjektor Zylinder 1

8.2

Kraftstoffinjektor Zylinder 2

8.3

Kraftstoffinjektor Zylinder 3

8.4

Kraftstoffinjektor Zylinder 4

9

Hochdruckleitungen

10

Kraftstoffverteiler

11

Kraftstoffdrucksensor Hochdruck

12

Mengenregelventil

13

Kraftstoffhochdruckpumpe

14

Zahnrad

P07.00-A000-76

Einspritzregelung Dieselmotor

Beim Dieselmotor sind zur exakten Steuerung der Verbrennung bis zu sechs Einspritzungen pro Arbeitsspiel möglich. Der maximale Einspritzdruck kann bis zu 2000 bar betragen.

Zur Reduzierung des Verbrennungsgeräusches wird im großen Kennfeldbereich eine doppelte Voreinspritzung verwendet. Eine angelagerte Nacheinspritzung wird zur Emissionsoptimierung eingesetzt.

Während der Regeneration des Dieselpartikelfilters erfolgen mehrere getaktete Nacheinspritzungen.

Das Steuergerät Verbrennungsmotor teilt dem Motor, in Abhängigkeit vom Lastzustand und der Kühlmitteltemperatur, die benötigte Kraftstoffmenge zu.

Die Einspritzregelung ist in folgenden Punkten beschrieben:

Kraftstoffdruckregelung

Voreinspritzung

Haupteinspritzung

Nacheinspritzung

Einspritzmengenkorrektur

Kraftstoffdruckregelung

Die Kraftstoffdruckregelung wird über die Mengenregelung vom Mengenregelventil an der Kraftstoffhochdruckpumpe gesteuert.

Voreinspritzung

Um das Verbrennungsgeräusch und die Abgasemissionen zu reduzieren, findet vor der Haupteinspritzung eine Voreinspritzung statt, wodurch die Verbrennung weicher abläuft.

Haupteinspritzung

Die Haupteinspritzung erfolgt im Anschluss an die Voreinspritzung und dient der Leistungs- und Drehmomenterzeugung. Die Haupteinspritzung ist durch den Einspritzzeitpunkt und die Einspritzdauer geregelt.

Nacheinspritzung

Die Nacheinspritzung dient dazu, die Abgastemperatur zu erhöhen sowie den Umwandlungsprozess der Abgasbestandteile im Oxidationskatalysator und die Rußpartikelfilter-Regeneration zu unterstützen. Durch die Erhöhung der Abgastemperatur werden die Rußpartikel im Abgas nachträglich verbrannt.

Einspritzmengenkorrektur

Die Einspritzmengenkorrektur besitzt zusätzlich folgende Voraussetzungen:

Motordrehzahl zwischen 1000/min und 2600/min, d. h. Schubbetrieb oder normaler Fahrbetrieb

Motoröltemperatur > 80 °C

Die Einspritzmengenkorrektur unterteilt sich in zwei Teilbereiche:

Nullmengenkalibrierung

Haupteinspritzmengenkorrektur

Nullmengenkalibrierung

Aufgrund auftretender Reibung beim Öffnen und Schließen der Kraftstoffinjektoren ergibt sich über die Laufzeit eine geänderte Einspritzmenge. Die geänderte Einspritzmenge kann durch eine Anpassung der Ansteuerdauer korrigiert werden. Während des normalen Motorbetriebs oder im Schubbetrieb wird in definierten Zeitabständen zylinderselektiv eine Piloteinspritzmenge kalibriert. Diese Ansteuerdauer entspricht einer definierten Einspritzmenge. Die Differenz zwischen der neuen und der nominalen Ansteuerdauer wird zu Einspritzmengenkorrektur genutzt.

Haupteinspritzmengenkorrektur

Bei dieser Funktion wird die Haupteinspritzmenge mithilfe der Lambdasonde vor dem Katalysator korrigiert. Dabei wird die Einspritzmenge so lange angepasst, bis der im Steuergerät Verbrennungsmotor hinterlegte Lambda-Sollwert erreicht wird.

Aufgrund von Toleranzen der Kraftstoffinjektoren und des Heißfilmluftmassensensor werden die Emissionswerte beeinflusst. Um die Emissionswerte konstant zu halten, verändert das Steuergerät Verbrennungsmotor über das Abgasrückführstellglied Niederdruck und das Abgasrückführstellglied Hochdruck die Abgasrückführrate. Über das Sensorelement Lambdasonde vor Katalysator wird der Restsauerstoffgehalt überwacht.

Sicherheitskraftstoffabschaltung

Um die Verkehrs- und Insassensicherheit zu gewährleisten, findet unter bestimmten Voraussetzungen eine Sicherheitskraftstoffabschaltung statt.

Das Steuergerät Verbrennungsmotor aktiviert die Sicherheitskraftstoffabschaltung unter folgenden Bedingungen:

Direktes oder indirektes Crash-Signal

Mechanischer Fehler im Drosselklappensteller (bei Ottomotoren)

Direktes oder indirektes Crash-Signal

Wenn das Steuergerät Verbrennungsmotor ein Crash-Signal direkt oder indirekt vom Steuergerät SRS erhält, schaltet es die Kraftstoffpumpe und das Mengenregelventil ab. Um die Kraftstoffanlage drucklos zu machen, werden zusätzlich die Kraftstoffinjektoren kurzzeitig angesteuert.

Mechanischer Fehler im Drosselklappensteller (bei Ottomotoren)

Das Steuergerät Verbrennungsmotor vergleicht kontinuierlich die Soll- und Ist Position des Drosselklappenstellers. Wird eine Abweichung und somit ein mechanischer Fehler erkannt, wird die Kraftstoffversorgung abgeschaltet.

Funktionsschemata

Funktionsschema Sicherheitskraftstoffabschaltung

Motor 260, 282, 608 im Typ 118, 177, 247Motor 264 im Typ 167

PE07.10-P-2503-97A

Motor 176, 177 im Typ 167

PE07.10-P-2503-97B

Motor 139 im Typ 118, 177

PE07.10-P-2503-97C

Motor 654 im Typ 118, 167, 177, 247Motor 654 im Typ 213, 238, 257 ab Modell-J. 2021Motor 656 im Typ 167, 223

PE07.10-P-2503-97D

Motor 254, 264 im Typ 213, 238, 257 ab Modell-J. 2021Motor 256 im Typ 167Motor 256 im Typ 213, 238 ab Modell-J. 2021

PE07.10-P-2503-97E

Motor 256 im Typ 223

PE07.10-P-2503-97F

Motor 176 im Typ 223

PE07.10-P-2503-97G

Funktionsschema Einspritzregelung

Motor 608 im Typ 118, 177, 247

PE07.61-P-2500-97A

Motor 282 im Typ 118, 177, 247

PE07.61-P-2500-97B

Motor 260 im Typ 118, 177, 247Motor 264 im Typ 167

PE07.61-P-2500-97C

Motor 654 im Typ 118, 167, 177, 247Motor 654 im Typ 213, 238, 257 ab Modell-J. 2021Motor 656 im Typ 167, 223

PE07.61-P-2500-97D

Motor 254, 264 im Typ 213, 238, 257 ab Modell-J. 2021Motor 256 im Typ 167Motor 256 im Typ 213, 238 ab Modell-J. 2021

PE07.61-P-2500-97E

Motor 176, 177 im Typ 167

PE07.61-P-2500-97F

Motor 139 im Typ 118

PE07.61-P-2500-97G

Motor 256 im Typ 223

PE07.61-P-2500-97H

Motor 176 im Typ 223

PE07.61-P-2500-97I

Motor 279 im Typ 223

PE07.61-P-2500-97J

Weitere Grundfunktion

Lambdaregelung Grundfunktion

Motor 139, 176, 177, 254, 256, 260, 264, 279, 282

GF07.10-P-1054A

Steuergeräte

Steuergerät Verbrennungsmotor Grundfunktion

Motor alle (PKW)

GF07.08-P-9890A

Bauteile

Kraftstoff-Hochdruckpumpe Grundfunktion

Motor alle (PKW)

GF07.02-P-2000A

Kraftstoffinjektoren Grundfunktion

Motor alle (PKW)

GF07.03-P-2000A

Kraftstoffdruck-Sensor Kraftstoffverteiler Grundfunktion

Motor 282, 608

GF07.04-P-2005A

Mengenregelventil Grundfunktion

Motor alle (PKW)

GF07.05-P-2000A

Drosselklappensteller Grundfunktion

Motor alle (PKW)

GF07.61-P-2000A

Referenzierte Dokumente